Mitten in den ersten heftigen Auswirkungen der Klimakrise für Deutschland mit Waldbränden und Niedrigwasser u. a. durch Dürre, werden Unterlagen von RWE offengelegt für ein Erdgaskraftwerk in Voerde, bei dem man Wasser aus dem Rhein entnehmen will.
Die Details stehen im Amtsblatt 32 der Bezirksregierung Düsseldorf. Da stehen dann auch die Fristen für das Ende der Offenlage und der Einwendungen.
Es finden mehrere Verfahren parallel statt, was das Ganz etwas unübersichtlich macht:
* 53.02-0023990-0010-G4-0019/26 (Genehmigungsverfahren der RWE Generation SE in Voerde)
* 54.06.04.15 -11 (Antrag der RWE Generation SE nach §§ 8, 9 WHG auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur temporären Entnahme von Grundwasser sowie für die Einleitung des gehobenen Grundwassers in den Rhein während der Errichtung einer GuD-Anlage in Voerde
* 54.07-1135/2026 (Antrag der RWE Generation SE nach §§ 8, 9 WHG auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung von Niederschlagswasser in das Grundwasser im Rahmen der Errichtung einer GuD-Anlage in Voerde)
* 54.07-1165/2026 (Antrag der RWE Generation SE nach §§ 8, 57 WHG auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung der Niederschlags- und Betriebsabwässer in den Rhein)
* 54.07-1167/2026 (Antrag der RWE Generation SE nach §§ 8, 9 WHG auf Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis zur Entnahme von Oberflächenwasser aus dem Rhein)
Ich habe gegen alle zusammen die nachfolgende Einwendung verfasst. Das Dokument mit der WRRL habe ich inzwischen zwar gefunden, es ist aber obwohl es ein PDF ist, nicht durchsuchbar und ich konnte das Thema Dürre beim Querlesen nicht finden. Ich empfehle, ebenfalls einzuwenden, um die Sache für RWE zu erschweren und hoffentlich zu erreichen, dass man den Rhein endlich als Gesamtsystem betrachtet und nicht mehr nur den kleinen Beitrag anschaut,
== Einwendung ==
Guten Tag,
da die unter den Aktenzeichen genannten Verfahren in unmittelbaren Zusammenhang stehen, behandele ich die zusammen in dieser Einwendung, diesem Widerspruch, wie auch immer Sie das nennen wollen.
Ein Hochwasserschutzgutachten ist vorhanden, es fehlt allerdings ein Niedrigwasserschutzgutachten. Die diesjährige Dürre zeigt, dass sowohl bei Entnahme, wie auch Einleitung der vollständige Einfluss auf den Rhein zu berücksichtigen ist. Das heißt sämtliche Entnahmen und Einleitungen sind in Kontext zu setzen und in der Gesamtauswirkung zu betrachten. Denn in Summe sorgt die industrielle Entnahme von Rhein- und Grundwasser aus dem Umfeld des Flusses für eine Absenkung des Rheinpegels, über die Absenkung durch zu wenig Niederschlag hinaus. Es besteht hier die reale Gefahr, dass der Rhein im Somme vollständig austrocknet, aber auch der jetzige Zustand hat bereits massive Folgen für Wirtschaft aber auch Bevölkerung, weil mehr LKW-Verkehr unterwegs ist, der eine höhere Gefahr von tödlichen oder verletzenden Kollisionen birgt.
Aufgrund der Auswirkungen auf den Rhein dieses Vorhabens mit allen anderen bereits stattfindenden Wasserentnahmen, findet eine grenzüberschreitende Auswirkung statt. Es reicht hier keinesfalls aus nur das aktuelle Vorhaben zu betrachten, sondern es müssen alle Entnahmen und Einleitungen im Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Die Gesamtwasserbilanz gibt dann Auskunft darüber, wie stark der Rhein bereits belastet ist und dass jegliche weitere Entnahme diesen Zustand weiter verschlechtert, womit ein Verstoß gegen die Wasserrahmenrichtlinie vorliegt.
Ferner ist es bereits Stand der Technik, dass Wasser auch im Kreislauf geführt werden kann. Es geht hier einfach nur um wirtschaftliche Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit.
Der Einzige Antrag, dem ich zustimmen kann, ist die Infiltration von Regenwasser in den Boden, hier verlange ich sogar, dass das Wasser vollständig versickert wird und eine Einleitung in den Rhein untersagt wird. Besonders bei Starkregen trägt jegliche Einleitung zu einer höheren Wahrscheinlichkeit von Überflutung und Verlust von Menschenleben bei. Nur Wasser, was vor Ort zurückgehalten und versickert wird, gefährdet die Bevölkerung nicht. Die Messung der Grundwasserstände prognostiziert nicht die Auswirkungen der Dürre und der Klimaerwärmung in die Zukunft. Man kann hier nicht allein an Grundwasserständen der Vergangenheit eine Vorhersage treffen. Ein Absinken von Grundwasserständen kann auch zu Auswirkungen auf die Sicherheit von Deichen und Standfestigkeit von Gebäuden führen.
Eine Entnahme aus dem Rhein oder Grundwasser ist bei Dürre zu untersagen. Der Betreiber hat hier selbst Vorkehrungen zu treffen, wie die Kühlung sichergestellt wird.
Ein Teil des entnommenen Wassers wird verdampft und ist für den Rhein verloren, denn das Wasser regnet nicht unbedingt wieder aus, wie der diesjährige Dürresommer klar belegt. Denn auch jetzt verdunstet die Industrie Wasser aus Rhein und Boden und es regnet nicht wieder aus. In Summe über alle Entnahmen wird der Zustand von Rhein und Grundwasser massiv beeinträchtigt, sodass weitere Beeinträchtigungen nicht genehmigungsfähig sind. Hier dürfen keine Einzelentnahmen betrachtet werden, sondern ist die Gesamtentnahme zu betrachten. Ebenfalls die Entnahme aus den Zuflüssen. Der UVP-Bericht gesteht sogar selbst ein, dass das Wasser nicht in der Nähe niedergeht.
Darüber hinaus soll aufgeheiztes Wasser in den Rhein eingeleitet werden. Der Dampfdruck von wärmeren Wasser ist höher, dass heißt es verdunstet mehr Wasser aus dem Rhein, was wiederum dazu führt, dass der Pegel schneller sinkt, als es ohne die wirtschaftliche Entnahme und Nutzung von Wasser aus dem Rhein oder dem Grundwasser der Fall wäre. Auch die Entnahme von Grundwasser wirkt sich aus, da weniger Grundwasser zu einer stärkeren Versickerung führt. Allein schon der Umstand, dass diese Entnahmen und Einleitungen separat betrachtet werden sollen ist unsinnig, die sie sich gegenseitig beeinflussen.
Beim Schutzgut Klima wurden nicht die Klimaauswirkungen der Verbrennung von Erdgas betrachtet bzw. auf einen unzureichenden Emissionshandel abgestellt. Zudem ist auch Wasserstoff nicht klimaneutral, denn Wasserstoff verzögert den Methanabbau in der Atmosphäre, wodurch Wasserstoff klimaschädlich ist. Leitungen für Wasserstoff sind nie 100-%ig dicht. dass der Klimaschutz nicht geprüft wird, obwohl Klimaschutz ein Grundrecht ist, ist bezeichnend.
Die Aufwärmung des Ortes ist zu verringern, da Aufwärmung immer negativ ist und zu einer höheren Verdunstung, sowie zu einer höheren Gefahr von Wald- und Grasbränden führt.
Man hat den Eindruck, dass beim UVP-Bericht Müller BBM nach Seite bezahlt wurde, denn der Bericht enthält viele irrelevante Textbausteine aber geht nur geringfügig auf die wirklichen lokalen Faktoren ein. Beim Schutzgut Wasser wird die Thematik Dürre nicht betrachtet, obwohl diese zunehmende Auswirkungen haben wird und ein trockener Rhein zum Alltag werden wird. Derzeit werden klassische Kraftwerke abgestellt oder gedrosselt wegen Niedrigwasser. Es versteht sich von selbst, dass ALLE damit einhergehenden Aspekte betrachtet werden müssen.
Im Kapitel „Auswirkungen auf Makro-/Globalklima“ werden die Auswirkungen des Betriebs nicht betrachtet, dabei erhöht jegliche Freisetzung von fossilen CO2 die Erdtemperatur. Über die gesamte geplante Laufzeit gesehen hat das Kraftwerk einen signifikanten Anteil und über die historische Schuld von RWE gesehen trägt RWE eine signifikante Mitschuld an der Klimaerwärmung. Ansonsten werden nur die Auswirkungen für den Bau, aber nicht die für den Betrieb betrachtet. Es gibt keine Mengenschwelle unterhalb derer fossiles CO2 keine negativen Auswirkungen auf die Menschheit hat. Das Vorhaben ist nicht genehmigungsfähig für einen Betrieb mit fossilen Energieträgern. Ohnehin würde ein Speicher mehr Sinn machen.
Die Versiegelung von Böden verringert die Neubildung von Grundwasser, was sich auch negativ auf den Rheinpegel auswirkt.
Da keine Gesamtbilanz der bereits stattfindenden Wasserentnahme erfolgt, können die folgen weiterer Entnahme, insbesondere bei Dürre, gar nicht abgesehen werden. Zudem stellt sich die Frage, wie der Betrieb sichergestellt werden soll, wenn der Rhein austrocknet. Soll dann auch noch Grundwasser entzogen werden? Was ist dann mit der Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und der Bewässerung von Gärten? Aus meiner Sicht geht selbst die Bewässerung von Gärten vor dem Betrieb einer klimaschädlichen Anlage, denn Gärten kühlen bei Hitze und Dürre zumindest etwas.
Flora und Fauna des Rheins werden ebenfalls durch die in Summe erhebliche Entnahme aus dem Rhein belastet, sodass zusätzliche Entnahmen nicht zulässig sind. Der im UVP-Bericht geschlossene Ausschluss von Auswirkungen ist nicht schlüssig, da extremes Niedrigwasser gar nicht betrachtet wurde. Die Sekundäreffekte aus warmen Wasser, das schneller verdunstet wurden nicht betrachtet. Auch ist nicht erkennbar, welche Stoffe konkret dem Wasser zugesetzt werden, um dieses im Kraftwerk zu nutzen (z. B. Biozide, Rostschutz) und wie sich diese auf Flora und Fauna auswirken. Eine Betrachtung unter Extrembedingungen einer Dürre fehlt völlig, obwohl diese belegbar in 2026 stattfindet und damit immer berücksichtigt werden muss. Es ist sogar davon auszugehen, dass die Niedrigwasser noch extremer werden, besonders dann wenn die Gletscher vollständig abgeschmolzen sind und den Rhein nicht mehr speisen. Man muss immer die Extremwerte nehmen und betrachten, wie die Auswirkungen dann sind.
Im UVP-Bericht 5.6.2.5 wird behauptet, dass mehrere Vorhaben nicht zusammenwirken würden, dabei wirken sich alle Entnahmen und Einleitungen entlang des Rheins (und Nebenflüsse) auf den Zustand des Flusses aus, hier Bedarf es einer Gesamtbilanz mit den Gesamtwirkungen und nicht nur eine simple lokale Betrachtung, welche der Wirklichkeit nicht gerecht wird. Viele der Stoffe im Rhein stammen aus Einleitungen und dies summieren sich über die Gesamtlänge auf, entsprechend muss dies auch in der Auswirkungsbetrachtung geschehen. Statt so zu tun, als wäre das Projekt von RWE eine Insel völlig ohne Wechselwirkung mit dem Umfeld und den Einwirkungen im Vorfeld.
Ein Gutachten WRRL fehlt bei den offengelegten Unterlagen.
Mir wäre ehrlich gesagt lieber, wenn ab und an mal der Strom ausfallen würde, als wenn noch mehr fossile Planetenzerstörer in Betrieb gehen, wie hier jetzt geplant. Wir brauchen nicht neue Kraftwerke, sondern mehr Speicher.






































