#Duisburg: Ratsinformationssystem war zu gut, deshalb Verschlechterung – #Softwareergonomie #Transparenz

In Duisburg gibt es so eine Art Ratsinformationssystem, dessen Zustand sich in letzter Zeit erheblich verschlechtert hat. Die Durchsuchbarkeit wurde scheinbar beibehalten, ist also weiterhin mies. Dafür wurde die Oberfläche für Smartphones angepasst. Ganz wichtig, weil sich so häufig umfangreiche Dokumente auf dem Handy anschaut.

Ich hatte deshalb ein paar Fragen gestellt und letztens ein paar Antworten erhalten.
Frage 1:

Mit welcher Drucksache wurde die Verschlechterung des RIS in den heutigen Zustand entschieden?

Antwort:

Das Bürgerinformationssystem der Stadtverwaltung Duisburg ist eine Webplattform, welche politikinteressierten Bürgern die Möglichkeit bietet, sich über die öffentlichen politischen Belange der Stadt Duisburg zu informieren. Das Webportal ist ein Standardprodukt der Firma Somacos GmbH und Co. KG, welches bei zahlreichen Kommunen eingesetzt wird.

Der Betrieb einer solchen Webplattform unterliegt Rahmenbedingungen, welche miteinander harmonieren müssen. Hierbei sind insbesondere der Datenschutz, die Daten-/ IT-Sicherheit, die Informationssicherheit, die Vertraulichkeit, die Datenintegrität, die Authentizität und die Verfügbarkeit von Daten zu beachten und sicherzustellen.

Es ist also unabdingbar, das Bürgerinfoportal in regelmäßigen Abständen, dem Stand der Technik entsprechend anzupassen. Die hierzu notwendigen Maßnahmen und Modernisierungen werden mit der fachverantwortlichen Abteilung in Verbindung mit dem Hersteller abgestimmt und durchgeführt.

Diese Maßnahmen sind Geschäft der laufenden Verwaltung und werden daher nicht im Sinne von § 41 Abs. 3 GO NRW im Rat beschlossen.

Nur weil etwas woanders genutzt wird, muss es allerdings noch lange nicht gut sein. Die verwendete Oberfläche ist zudem nur bedingt von der Technik im Hintergrund abhängig.

Aber schön, dass die Hauptnutzenden vom Rat nicht darüber entschieden haben, kann zunehmende Intransparenz auf die Verwaltung geschoben werden. Denn Intransparenz ist nicht nur die direkte Verweigerung von Zugang, sondern auch eine Zugangserschwerung.

Frage 2:

Warum ist man von der noch halbwegs nachvollziehbaren Struktur zu einer voller Abkürzungen und nicht erkennbarer Links gewechselt?

Antwort:

Das Ihnen bekannte Design stammt aus dem Jahr 2006. Es musste einer responsiven Webdarstellung weichen, damit die Inhalte auch von mobilen Endgeräten (Tablet-PCs, Smartphone etc.) aufgerufen werden können. Aufgrund der komplex darzustellenden Sachverhalte ist die Nutzung von Abkürzungen unausweichlich.

Die Inhalte und das Layout sind als solches selbsterklärend, auf dem Smartphone etwa werden die Abkürzungen beschrieben und auf einem PC-Bildschirm werden die Abkürzungen bei Berührung mit dem Mauszeiger erläutert (siehe Anlage: Hardcopys).

Abkürzungen sind keineswegs unausweichlich, sonst könnte man die zahlreichen Newsapps nicht nutzen, weil diese nur aus Abkürzungen bestünden. Der Aufbau einer Seite ist eine Frage des Designs und einer durchdachten Programmierung, was hier offensichtlich nicht geschah. Moderne Webseiten können zwischen Smartphone und PC unterscheiden und nutzen automatisch das richtige Format. Wenn man will geht vieles, ansonsten gibt es ja Ausreden.

Frage 3:

Welche IT-Experten wurden konsultiert und wie viel hat die Stadt Duisburg die Verschlechterung gekostet?

Antwort:

Die Änderungen am Webportal wurden durch den Hersteller auf Anweisung des Programmeigentümers vorgenommen. Die Vergütung mit der Betriebsfirma wird über einen Service- und Dienstleistungsvertrag abgedeckt.

Wenn ich das richtig verstehe haben die ‚Profis‘ der Stadt Duisburg den Auftrag gegeben und vermutlich vorher nicht mit der Bevölkerung gesprochen, wie so ein durchdachtes System aussehen könnte. Und das ganze wurde dann für eine unbekannte Summe beauftragt. Wenn ich die Seite vom Standpunkt der Softwareergonomie betrachte so ist das Ergebnis zweifellos mangelhaft. Die Seite ist weder intuitiv noch übersichtlich.

Da könnte man sich das Geld auch sparen, da es die Bevölkerung eher abschreckt und wenn nur die hartnäckigen überhaupt rein schauen. Wenn etwas der Bürgerbeteiligung dient, dann muss diese Beteiligung auch mit dem Zielpublikum abgestimmt werden.

Weder Inhalte noch Layout sind selbsterklärend, so ist eine Recherche extrem umständlich mit vier verschiedenen Varianten. Vielleicht mal die Suchmaschinen betrachten, die normalerweise nur ein Feld anzeigen. In Duisburg gibt es unter Recherche gibt es dagegen zwei Möglichkeiten (Aktuelle Dokumente und
Weiterführende Recherche) und dort dann:
– Recherche (Wo ist der Unterschied zu Dokumente und Vorlagen?)
– Dokumente
– Vorlagen (Sind Vorlagen nicht auf Dokumente?)
– Personen
Da muss man erst einmal durchblicken und eine brauchbare Indizierung ist immer noch nicht in Sicht, da keine Volltextsuche möglich ist.

Auch Abkürzungen sind nicht notwendig, wenn man die Grafiken weg lässt. Es nützt nichts, wenn man erst mit dem Mauszeiger draufgehen muss, um zu erkennen, was die Abkürzung sagen soll. Zumal man am Handy keine Maus anschließt und man Gefahr läuft sich diverse umfangreiche Dateien herunterzuladen. Eine Berührung führt sofort zum Download. Informationen über die Dateigröße gibt es natürlich nicht, was bei mobiler Nutzung aber relevant ist, zumal die Stadt Duisburg es scheinbar nicht hinbekommt kleine Dateien zu erzeugen.

EL soll scheinbar für Einladung stehen.
VO vielleicht für Vorlage.
Dabei ließe sich dies alles darüber schreiben.

Einen Titel oder eine Inhaltsvorschau gibt es nicht, somit scheitert eine mobile Nutzung bereits daran, dass man sich zuerst PDF unbekannter Größe herunterladen muss, um überhaupt zu wissen worum es geht. Vielleicht hatte man jemand fragen sollen, der sich mit Digitalisierung auskennt. Aber möglicherweise gibt es so jemanden in Duisburg nicht oder ist von anderen Aufgaben überlastet.

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