Genitalverstümmelung

Wie aus der Presse zu erfahren ist macht sich der Bundestag für eine Religiöse Beschneidung stark. Allerdings wundert mich warum hier keine Zahlen genannt werden. Warum wird nur von breiter Mehrheit gesprochen. Gerade bei so einem kontroversen Thema müssen Zahlen genannt werden. Da hier die Zahlen verschwiegen werden habe ich mal nach genauen Zahlen gefragt.
Ich frage mich wieviele Abgeordnete wohl diesmal anwesend waren und, ob bei der Abstimmung alle so schlecht informiert waren, wie Volker Beck? Was da steht sind die Argumente, welche immer wieder überall gebracht wurden aber keine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema zeigen. Ein intensivere Auseinandersetzung würde schon ein Blick in die Wikipedia zeigen, denn da sind viele für und wieder aufgezählt. Wobei sich der Text ständig ändert und einiges entfernt worden zu sein scheint. Werden etwa hier Fakten zurechtgebogen?

Der Bundestag soll die Interessen des Deutschen Volkes und aller Einwohner vertreten und gründlich gegeneinander abwägen.
Das ist in meinen Augen nicht geschehen. Hier wird aus Furcht um den Ruf einer fatalen Ausnahme zugestimmt.
Es ist richtig, dass Nazi-Deutschland vielen Menschen jüdischen Glaubens bzw. Herkunft extrem schlimmes angetan haben. Das ist Teil unserer Geschichte und einer besonderen Verantwortung zur Verhinderung von ähnlichem.
Dies heißt aber nicht, dass wir Kinder nicht vor religiöser Willkür schützen müssen. Wer hier Furcht vor einem Rufverlust nachgibt hat schon verloren. Hier darf nicht der Furcht nachgeben werden, sondern muss Konsequent gleiches Recht für Männer und Frauen durchgesetzt werden. Was bei Frauen verboten ist, darf nicht bei Männern erlaubt werden. Da wird gleiches ungleich behandelt. Es heißt an dieser Stelle ein Zeichen zu setzen. Schade das anscheinend nur wenige Bundestagsabgeordnete den Mut haben eine schwere Entscheidung zu treffen und lieber den einfachen Weg wählen.

Es sollte bedacht werden, dass bei Frauen Beschneidung komplett verboten ist. Auch mit Betäubung und im Krankenhaus und nicht der Entfernung der inneren Schamlippen wäre verboten. Während die Vorhaut, welchen den inneren Schamlippen in etwa entspricht, ungestraft entfernt werden darf. Bei der Entstehung des Menschen im Mutterleib, wird aus dem Gewebe, beim Mann die Vorhaut und bei der Frau werden daraus die Schamlippen. Anscheinend gibt es auf dieser Welt noch zu wenige Männerrechtler, die sich gegen dieses Unrecht zur Wehr setzen. Wäre das gleich für Frauen gefordert worden, wäre jetzt alle Feministinnen auf dem Kriegspfad aber so wie es aussieht ist die Männerlobby noch nicht stark genug.

Nichtsdestotrotz wäre ein Verbot bei Frauen und eine Erlaubnis bei Männern in meinen Augen eine Diskriminierung gemäß Artikel Artikel 3 des Grundgesetzes.

Aber es gibt natürlich auch Gegner, wie etwa Ben Schalem (Intakter Sohn), die zu den wachsenden Gegnern der Beschneidung zählen. Auch in den USA in Blogs und Diskussionen gibt es viele Befürworter des Vorstoßes des Kölner Landgerichtes.

Zudem ist nicht klar, welcher Religion das Kleinkind bzw. Neugeborene angehören will, wenn es einmal Religionsmündig sein wird. Hier kann durchaus ein Austritt erfolgen. Ich bezweifel allerdings, dass es dann die Vorhaut zurückgeben wird. Der Religionsmündige wird hier der Freiheit auf Selbstbestimmung beraubt, mit einer Operation die nicht oder nur schwerlich Rückgängig gemacht werden kann. Und das nur um einer unflexiblen religiösen Sitte nachzugehen, die schon lange aufgehoben wurde, wie in der Bibel 5. Buch Mose Dtn 10,16 steht. In Worten steht da „Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.“ Was wohl uneindeutig heißt, dass eine Beschneidung nicht mehr länger notwendig ist. Zumindest nicht aus religiösen Gründen. Ich gehe davon aus, dass dies auch in der Tora steht.

Im Islam muss die Beschneidung nicht zwangsläufig bei der Geburt stattfinden, sondern es ist auch später noch möglich. Zudem ist im Koran Beschneidung nicht explizit erwähnt, sondern nur eine Ehrerbietung für Mohammed.

Früher und möglicherweise auch noch heute wurde Beschneidung als angebliches Mittel gegen Masturbation eingesetzt, welche häufig fälschlich auch als Onanie bezeichnet wird.

Mir stellt sich die Frage, was die Beschneidung von Männern als Kleinkindern in Psychologischer Hinsicht bewirkt. Bei Frauen sind psychologische Auswirkungen beobachtet worden. Natürlich findet die Beschneidung bei Frauen meist später und dazu ohne Betäubung statt. Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass die Entfernung der Vorhaut und später das Fehlen der Vorhaut keine psychologischen Auswirkungen hat und seien auch vom Betroffenen unbemerkt. Beschneidungen sind nun einmal Genitalverstümmelungen, denn ein wichtiger Teil des Penis fehlt. Da ist nicht nur die Gleitfunktion, welche durch die Vorhaut unterstützt wird, sondern auch die vielen Nervenzellen die dann fehlen. Die Vorhaut ist nunmal ein wichtiges Geschlechtsteil insbesondere wenn bei der Beschneidung auch noch das Bändchen (Frenulum) entfernt wird.

Bei einer Recherche zu diesem Punkt bin ich auf folgende Seite gestoßen. Diese ist natürlich nicht unvoreingenommen aber das ist bei diesem wohl auch nicht möglich.

Die Auswirkungen können Mannigfaltig sein. Zum Beispiel wird die posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) erwähnt, welche teilweise auch bei Bundeswehrsoldaten nach Einsätzen beobachtet wurde. Auch ist von aggressiveren Verhalten die Rede. Wenn ich mir die Geschehnisse so anschaue im vorderen Orient kommt mir das ziemlich Aggressiv vor. Ich frage mich, ob da ein Zusammenhang besteht. Trägt die Beschneidung zu den Problemen im mittleren Osten bei? Mir ist klar, dass dies eine gewagte These ist. Es könnte natürlich auch am Klima liegen. Und auch die Medien berichten über Psychologische Folgen.

In diesem Artikel ist das Baby nach einer Minute ruhig. Allerdings fehlt mir hier das Details, ob es noch bei Bewusstsein ist oder wie anderswo beschrieben Ohnmächtig vor Schmerz.

Der rechtliche Rahmen wird hier teilweise beleuchtet. Allerdings wird auch hier ein Fakt vernachlässigt. Nämlich, wie bereits erwähnt, dass das Beschneidungs-„Gebot“ an späterer Stelle wieder aufgehoben wurde. Die Argumentation gegen die Beschneidung von Frauen, die im Rahmen dieser Drucksache des Bundestags stattfindet wirft ein ziemlich interessantes Licht auf den rechtlichen Rahmen. An den meisten Stellen des Dokuments ist nicht explizit von Frauen die Rede, so dass dieses Dokument prinzipiell auch auf Männer angewandt werden könnte.

Wobei es meines Wissens bisher nur eine gesetzliche Ausnahme von der grundgesetzlich garantierten Unversehrtheit gab. Die Impfpflicht und diese wurde mit dem höheren Gut der Gefahrenabwehr begründet, also indirekt der körperlichen Unversehrtheit der anderen.

Seltsame, dass die körperliche Züchtigung gegen die Menschenwürde verstößt und deshalb gesetzlich verboten ist aber die Verstümmelung von männlichen Kindern nicht.

Und auch seltsam, dass bisher niemand Artikel 140 des Grundgesetzes. Genauer gesagt den darin erwähnten Artikel 136 der früheren Deutschen Verfassung von 1919 mit folgenden Inhalt:

(4) Niemand darf zu einer kirchlichen Handlung oder Feierlichkeit oder zur Teilnahme an religiösen Übungen oder zur Benutzung einer religiösen Eidesform gezwungen werden.

Die UN und WHO preisen Beschneidungen als angebliches Mittel, um HIV-Infektionen zu verringern. Wobei hier wohl verkannt werden dürfte, dass dies zu einer gefühlten höheren Sicherheit führen dürfte, die wiederum eher in einem Anstieg resultieren kann. Zudem sind Studien niemals ganz eindeutig, wie bestimmt viele Studien beweisen.

In den USA gab es schon erfolgreiche Klagen gegen Beschneidungen und auch die Resonanz auf das Kölner Urteil ist in internationalen Medien stark geteilt. Es gibt die Befürworter aber auch sehr viele Gegner, die sich klar positionieren. Sollten die deutschen Politiker wirklich auf jene hören die am lautesten schreien? In meinen Augen nicht. Es ist ein Fehler nicht alle Meinungen zumindest anzuhören, denn wie gesagt im englischsprachigen Netz gibt es auch sehr viele Befürworter. Außerdem auch etliche, die unter der Beschneidung leiden. Oder halt der Junge dessen Fall vor dem Kölner Landgericht das Ganze ins Rollen gebracht hat. Diese musste nämlich wie hier berichtet wegen Komplikationen nach der Beschneidung ins Krankenhaus. Komplikationen, die nicht zu selten zu sein scheinen. Zudem geht die Beschneidung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Eichelentzündung einher.

Bei diesem Thema finde ich besonders schade, dass sich Politiker damit auseinandersetzen, die sich offensichtlich nicht eingehend damit beschäftigt haben. Man nehme nur Westerwelle, der sich für Beschneidung ausspricht, weil es ja Liberal wäre die freie Religionsausübung gleichzeitig verkennt, dass in nahezu sämtlichen Religionen die Homosexualität als falsch angesehen wird.
Wer also von religiösen Sitten und Bräuchen redet sollte auch bedenken, welche anderen es noch alles gibt, die mit der gleichen Begründung eingeführt werden könnten. Wenn sie denn überhaupt durch die Religion noch immer begründet werden können. Zum Beispiel die Tätowierung einer Nudel auf die Geschlechsteile bei Pastafaris?

Wie ist es wohl mit anderer Diskriminierung in Bezug auf Religion? Ist es legal das Priester nicht heiraten dürfen? Man bedenke, dass es keinen anderen Beruf mit Heiratsverbot gibt.

Ist die kritische Auseinandersetzung mit Religion direkt Atheismus? Nein, denn schon Luther hat Sitten und Gebräuche hinterfragt und nicht alles hingenommen und ist trotzdem Gläubig geblieben. Eine Religion, welche nur im Gestern lebt in Riten und Gebräuchen aber ohne die Inhalte zu leben, ist das noch wirklich Religiös?

Hätte ich die Einstellung von Michael Rubinstein vor der OB-Wahl zu diesem Ritual schon gekannt hätte er eine Stimme weniger gehabt.

Auch Merkel zeigt hier in meinen Augen Unkenntnis für die Situation auf der Welt. Denn es gibt, wie gesagt überall Bestrebungen die Beschneidung auch bei Männer abzuschaffen. Als Frau natürlich klar, dass sich Merkel nur gegen die Beschneidung von Frauen ausspricht. Als ich gerade bei Abgeordnetenwatch mal eine paar Fragen an Merkel loswerden wollte, musste ich enttäuscht feststellen, dass diese wohl kein Interesse an einem Dialog mit den Bürgern auf diesem Weg hat.

Auch die Einstellung von Alice Schwarzer kann ich nicht verstehen, gerade von jemand, die sich für Gleichberechtigung ausspricht hätte ich hier gleiches Recht für beide Geschlechter erwartet. Insbesondere, wo ihr Motto „Der Motor meines ganzen Handelns ist die Gerechtigkeit.“ ist.
Ist natürlich verständlich, dass eine Frau meist nur ihre Geschlechtsteile im Blick hat. Deswegen an dieser Stelle mal ein wenig Hintergrundwissen zur Vorhaut.

Wenn sie nicht schon für mich unwählbar wären, wäre CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne jetzt für mich entgültig unwählbar. Interessant finde ich in dem Artikel übrigens, dass die Mehrheit der Deutschen für eine Modernisierung des Glaubens ist.

Stelle mich jetzt und auch in Zukunft gegen die Genitalverstümmelung, wenn mir keiner andere Gründe nennt, als haben wir schon immer so gemacht oder ist doch nur ein stückchen Haut. Beschneidet lieber die Grenzen eures Verstandes und eurer Sturheit, als die Vorhäute unschuldiger Kinder. Wenn sie bei der Beschneidung in einem Alter wären, bei dem sie halbwegs frei entscheiden könnten wäre das ja etwas völlig anderes.

Und ich bin nicht der einzigste Pirat der Genitalverstümmelungen ablehnt.

Ich hoffe das war jetzt einigermaßen klar dargelegt. Ein derartig komplexes Thema lässt einen schon manchmal den Überblick beim Schreiben verlieren.

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6 Antworten zu Genitalverstümmelung

  1. zirkuma schreibt:

    Es gibt nur ein einziges Menschenrecht: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn sich ALLE daran halten würden, hätte der ganze Blödsinn überall auf dieser idiotischen Welt hätte ein Ende.

    Aber leider werde ich nie eine intelligente Zivilisation erleben, sondern nur diesen Blödsinn überall.. (mit einem IQ weit unter 200).

    (Änderungsgrund: Ich habe die Beleidigenden Passagen geändert und dabei versucht die Botschaft zu erhalten. Die Alternative hätte darin bestanden den Kommentar nicht zu veröffentlichen. Auch wenn ich nicht Religiös bin, toleriere ich doch Religionsgruppen soweit, sie nicht zu beleidigen.)

  2. frank knott schreibt:

    ich möchte doch mal drauf hinweisen das es einen grundlegenden unterschied zwischen der Beschneidung von Jungen bei Juden und Muslime und der Unmenschlichen Genital- Verstümmlungen (Beschneidung ) von Mädchen in Teilen Afrikas gibt der auf keinen Fall miteinander verwechselt werden darf . Du solltest dich da eventuell mal Informieren :
    Wenn man deinen Text liest denke ich nicht das du den Unterschied kennst
    http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_%28Judentum%29
    http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien

    • ulrics schreibt:

      Mir sind die Unterschied bei der Ausführung durchaus bekannt, deswegen auch die Erwähnung von Betäubung und Krankenhaus, was ja nicht stattfindet, wenn das mit einer gemacht wird die schon mehrere Jahre alt ist und ohne Betäubung mit einer Glasscherbe oder ähnlichem beschnitten wird. Meist auch mehr als die Schamlippen, wie in dem von mir erwähnten Vergleich.

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