Wie Daniel Weißbach sich Atomkraft schönrechnet – #AKWeh #Klimaschmutzlobby

Im Sommer 2022 war ich zu einer Fortbildung im Bereich Strahlenschutz in Berlin. Dort wurde zu sogenannten Dual Fluid Reaktoren vorgetragen. Im Vortrag wurde behauptet, dass AKW in Hinblick auf die Energieausbeute günstiger wären, als Windenergie bzw. Photovoltaik. Als Quelle hierfür wurde genannt: Daniel Weißbach et. al. 2013.

Natürlich kann man derartige Literatur im Netz finden über sein Profil bei Researchgate wurde ich schnell fündig.

Der Titel lautete „Energy intensities, EROIs (energy returned on invested), and energy payback times of electricity generating power plants„, (March 2013 Proceedings of the ICE – Energy 52:210-221, DOI:10.1016/j.energy.2013.01.029)

Laut Researgate gab es 2018 eine ähnliche Publikation unter dem Titel: „Energy intensitites, EROI (energy returned on invested), for electric energy sources“ ( October 2018The European Physical Journal Conferences 189:00016, DOI:10.1051/epjconf/201818900016)

Weiterhin fand ich ein Pre-Print des Artikels auf der Homepage der gemeinnützigen Gesellschaft: Institut für Festkörper-Kernphysik, die gemäß dieser Seite keinen guten Leumund hat, was sich mit meiner ersten Einschätzung der Seriosität dieser Gesellschaft deckt.

Als Autoren werden bei der Publikation von 2013 genannt:
* Daniel Weißbach (Weitere Mitarbeiter)
* Götz Ruprecht (Institutsmitglieder)
* Armin Huke (Institutsmitglieder)
* Konrad Czerski (Institutsmitglieder)
* Stephan Gottlieb (Institutsmitglieder)
* Ahmed H Hussein (Weitere Mitarbeiter)
In Klammer finden sich die Angaben der Positionen beim IFK laut Homepage, abgerufen im Dezember 2013.

Laut der Seite ist Daniel Weißbach ein Atomphysiker, der sich in mehreren Publikationen u. a. mit Dual-Fluid Reaktoren beschäftigt hat. Nur zwei Publikationen und eine „Reply on “Comments on ‘Energy intensities, EROIs (energy returned on invested), and energy payback times of electricity generating power plants’ – Making clear of quite some confusion”“ von April 2014 beschäftigt sich mit Verhältnis von eingesetzter Energie zu genutzter.

Der Artikel beschäftigt will angeblich die Effizienz von verschiedenen Energieerzeugungsarten vergleichen. Als Ergebnis wird behauptet, das AKW, Wasserkraft, Kohle und Erdgas (im Artikel „natural gas“) in der Reihenfolgen eine Größenordnung effektiver wären, als Photovoltaik und Windenergie.

Der im Titel aufgeführte EROI ist scheinbar so eine Art Kennziffer dafür wie viel der eingesetzten Energie in welcher Energieausgabe resultiert. Allerdings müsste man dafür natürlich auch die vollständigen Werte einsetzen und nicht irgendwelche unwissenschaftlich erschwurbelten.

Da die vollständige Publikation nicht direkt zugänglich ist, nehme ich den Preprint, für die Auswertung. Der Artikel beginnt mit einigen simplen Formeln und der Definition von Größen.

Dann geht es über zu den Eingangsgrößen, wobei hier schon auffällt, dass man keine vollständigen Bilanzen zieht. So wird behauptet, dass das Land zu wenig Windenergie hätte, was zwar derzeit stimmen mag, aber nicht die zukünftige Entwicklung berücksichtigt. Wenn man einen wirklichen Vergleich ziehen will, dann muss darf man nicht danach gehen, wie viel heute oder irgendwann gewonnen werden könnte, sondern was möglich ist, bei vergleichbaren Kapazitäten und wie viel Energie diese für den gesamten Lebenszyklus benötigen.

Ein Satz ist ziemlich entlarvend: „This is owed to the popular CO2 climate discussion …“ dabei bezeichnen die Autoren die Klimaerwärmung als die populäre CO2-Klima-Diskussion. Also etwas, was für diese scheinbar eher nebensächlich ist. Weiterhin wird ausgeführt, weil man den Energiebedarf für die CO2-Entfernung nicht kennen würde, bliebe diese unberücksichtigt, womit so dann natürlich sofort erklärt warum fossile Kraftwerke so gut abschneiden. Man hat bereits an dieser Stelle unvollständige Bilanzen gezogen, da man nicht berücksichtigt, dass man theoretisch auch das CO2 wieder aus der Atmosphäre entfernen muss und sicher Endlagern bzw. die Energiekosten für die Anpassung an die Erderwärmung.

Für AKW setzt man eine Lebenszeit von 60 Jahren an für neue und überholte Kraftwerke, für fossile 30-50 und für Photovoltaik und Wind nur 20-30. 60 Jahre für AKW anzusetzen erscheint sehr illusorisch in Hinblick auf die Alterung sicherheitsrelevanter Komponenten. Für Wasserkraftwerke nimmt man 100 Jahre an.

Bei Erdgas nimmt man an, dass abgefackeltes Gas und verlorenes Gas nicht berücksichtigt werden müsste, obwohl dies ja Teil des Prozesses der Förderung ist. Ohne Förderung käme es erst gar nicht dazu. Auch hier frisiert man die Bilanz. Auch bei Biogas hat man die Produktion nicht vollständig berücksichtigt.

Bei Solarzellen scheint man nur Silizium berücksichtigt zu haben, aber nicht die ganzen anderen Stoffe, die ebenfalls verwendet werden. Recycling hat man nicht berücksichtigt.

Wind und Sonne sind stark abhängig von der Örtlichkeit, man hat hier natürlich Wind und Sonne für Deutschland berechnet, wo insbesondere die Sonneneinstrahlung geringer ist. Somit ist die Eingangsbehauptung falsch, weil der Zusatz fehlt, dass dies nur für Deutschland gilt, weil man die dortigen Rahmenbedingungen angenommen hat.

Bei Wasserkraft vernachlässigt man den Effekt der Klimaerwärmung und Dürren, wobei Wasserkraft entweder nur ein Speicher ist, mit verminderten Wirkungsgrad oder Regen genutzt wird im natürlichen Wasserkreislauf. In beiden Fällen müsste man dies aber genau betrachten. Ein Pumpspeicherkraftwerk ist wie eine Batterie nur ein Zwischenspeicher mit Verlusten. Und Regen ist längerfristig nicht klar vorhersehbar.

Für den Transport von Steinkohle hat man die Werte für andere Transporte angenommen, weil keine Daten vorhanden waren. Ob man beim Kohlekraftwerken auch die Abgasreinigung und die Vergiftung der Bevölkerung durch die verbleibenden Abgase berücksichtigt hat, konnte der Publikation nicht entnommen werden, ist aber zweifelhaft. So dass auch hier stark geschönte Bilanzen vorliegen dürften. Ebenso muss man bei Verbrennung natürlich auch berücksichtigen, dass Stickoxide und damit Dünger entsteht, was wiederum zu erhöhtem Aufwand bei der Trinkwassergewinnung führt. Es wurde zudem mit keinem Wort auf Kraft-Wärme-Kopplung eingegangen, sodass sich die Frage stellt ob man hier einfach auch die Wärme als gewonnene Energie berücksichtigt hat, obwohl diese als Entropie nicht nutzbar ist. Was dann allerdings ein wenig physikalisches Verständnis von Energieumwandlungsprozessen wäre. Ohnehin geht viel Energie in Form von Wärme „verloren“, wird in die Atmosphäre abgegeben über Wasser (gasförmig oder flüssig). Dies gilt auch für AKW.

Und bei AKW hat man sehr optimistisch mit 60 Jahren gerechnet, Wartung wird hier zwar berücksichtigt, aber nicht die Endlagerung, die nach aktuellem Stand berücksichtigt werden müsste für eine vollständige Bilanz, aber wie CO2 ignoriert man auch dies. Ebenso müsste man mit einer gewissen statistischen Wahrscheinlichkeit auch die Energiekosten nach einem GAU berücksichtigen, der ja auch möglich ist. Das man dies nicht gemacht hat zeigt ziemlich deutlich, dass man mit für AKW und fossilen Kraftwerken vorteilhaften Parametern diese schöngerechnet hat. Nach naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten ist das kein seriöses Vorgehen. Man lässt einfach Werte, welche einem in einer Bilanz nicht passen weg. So ein Vorgehen passt eher zu Menschen, die rechnerisch ein Perpetuum Mobile, vorgeben was real nicht möglich ist oder halt geschwurbel.

= Fazit =

Eine Publikation, welche mit unvollständigen Bilanzen belegen soll, dass fossile Energieträger und AKW besser sind, als Photovoltaik und Windenergie. Das diese Publikation als Begründung für die Vorteile von Dual Fluid Reaktoren genutzt wird ist verständlich, schließlich stammt sie aus der gleichen Gruppierung. Es würde mich nicht wundern, wenn man dies extra geschrieben hätte, damit AKW eine gute Bilanz bekommen, um eine Finanzierung der bisher nur auf dem Papier existierenden Reaktoren zu ermöglichen. Eine für mich als Naturwissenschaftlicher sehr peinliche Publikation, die nicht sauber fundiert ist und wo mich wundert, dass man diese überhaupt veröffentlicht hat.

Kann natürlich jeder machen einfach willkürliche Werte miteinander vergleichen und behaupten, dass jemand besser wäre, als jemand anders, das wird einem naturwissenschaftlichen Ansatz aber nicht gerecht, zumal willkürlich wegen Unwissenheit CO2 ausgeklammert wurde und auch die Endlagerung.

Mit diesem Vorgehen würde ich das auch eher unter Klimaschmutzlobby einsortieren.

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