#Infraschall und 2 Physiker – #Verkehrswende #Fluglärm

Bei manchen Diskussionen bei Twitter, braucht man erst einmal eine Auszeit, weil die Gegenseite so in ihren Standpunkten verbohrt ist, dass diese nicht einmal Fehler eingestehen können. Zumal es sehr mühsam ist auf dem Handy über mehrere Diskussionsfäden den Überblick zu behalten und dann noch längere Antworten mit dem Finger zu tippen. Einen weiteren, der sich sehr aggressiv einmischte habe ich dann direkt blockiert. Die Diskussion war ähnlich zielführend, wie mit Impfverweigernden, die auch an ihrem Glaubenssystem festhalten und wissenschaftlich nichts hinterfragen, dabei besteht Wissenschaft aus was wir Wissen, was einigermaßen sicher ist und aus Forschung, um unzählige offene Fragen zu klären. Und bei jeder Frage, die man klärt kommen neue Fragen. Genau deshalb habe ich mir Zeit genommen mal darüber nachzudenken.

Angeblich sollen beides Physiker sein, wofür ich aber keine Belege habe und mir auch nicht die Mühe machen werde danach zu suchen. Ist eigentlich auch nebensächlich, egal was man studiert hat, der Abschluss eines Studiums ist allenfalls eine Grundlage.

In der Diskussion ging es um Infraschall. Ich habe es gewagt mal darüber zu diskutieren, ob und wie Infraschall auf den menschlichen Körper wirkt. Ich bin an dem Thema interessiert, weil diese Form von Lärm in den meisten Beteiligungsverfahren nicht berücksichtigt wird. Die Ausnahme ist hier Windenergie, wo Infraschall aber gering ist, im Vergleich zum Verkehr.

Der eine Punkt war, ob und wie Infraschall unmittelbar auf den menschlichen Körper wirkt. Angeblich wäre die Wellenlänge von Infraschall so groß, dass diese nicht in der Körper einkoppeln könne, obwohl es Modelle für verschiedene Körperteile mit entsprechenden Resonanzangaben gibt. Das war aber die Wellenlänge von Infraschall in Luft, auf die eingegangen wurde, worauf ich auch hinwies. In Festkörpern ist die Schallgeschwindigkeit komplexer. In Hinblick auf den menschlichen Körper wurde nach meinem Verständnis behauptet, dass das durchgehen würde. Aber auch das ist müßig. Zumal ich auch nie behauptet habe, dass das zu 100 % durchgehen würde. Das es zu einer Dämpfung kommt war eigentlich so offensichtlich, dass ich es nicht extra erwähnte. Der eine meinte doch glatt mir daraus etwas drehen zu können. Scheinbar liegt da eine ziemliche Besessenheit vor, auf jeden Fall beweisen zu wollen, dass Infraschall harmlos ist. Wobei echte Naturwissenschaffende wissen, dass es einen Nichtbeweis, gar nicht gibt. Nicht ohne Grund wird bei z. B. elektromagnetischen Felder gesagt: „nach heutigem Stand harmlos“. Eben weil solche Forschungen nie abgeschlossen sind. Grenzwerte für Chemikalien werden immer wieder verschärft, weil neue Kenntnisse hinzukommen. Es gibt natürlich Stellen, wo man Dinge klar belegen kann, dann gibt es einen großen Bereich der Unsicherheit, da man nicht quantifizieren kann. Z. B. wie ein Molekül oder ein Photon oder eine Schwingung in jedem Einzelfall auf den Körper wirkt.

Einer der beiden meinte, dass Infraschall vollständig an einer Wand reflektiert würde, was ich eine sehr seltsame Auffassung von einem Physiker fände. Dies ist definitiv unwahr. Eine hundertprozentige Reflektion ist nicht möglich, da immer Energie übertragen wird. Auf mehrere Rückfragen dazu wurde auf ein Physikbuch verwiesen. Auch da wird nichts von vollständiger Reflektion drin stehen.

Ein weiterer Punkt der Diskussion war die Wahrnehmung von Infraschall. Hier machte der einen schon einmal einen grundlegenden Fehler und setzte Wahrnehmung mit bewusstem Hören gleich. So wird die Wahrnehmung von Schall oft auch definiert, dabei ist das Hören nichts weiter als die Schallwirkung auf einen Membran, die darüber in einen Verstärker einkoppelt. Ganz stark vereinfacht dargestellt. Auch von diesem Schall blendet das Bewusstsein einiger Menschen vieles aus. Etwa durch Konzentration in einem lauten Raum. Dabei sind die Hörschwellen extrem unterschiedlich, nicht nur durch das Nachlassen mit dem Alter, sondern auch von den biologischen Voraussetzungen. Ich kann zum Beispiel noch immer hochfrequentes Piepen hören, was angeblich nur von Jugendlichen gehört werden kann. Der menschliche Körper nimmt Druckunterschiede, was Schall ja letztendlich ist allerdings auch anders wahr. Einiges bewusst, anderes unbewusst. Wetterfühligkeit ist zum Beispiel so ein Druckunterschied, der natürlich von der Amplitude größer, aber von der Frequenz deutlich kleiner ist als 1 Hz. Denn genau auf diese Werte käme man, wenn die Druckunterschiede vom Wetter in eine Frequenz umrechnen würde. Da per Definition Infraschall unterhalb von 16 Hz liegt und die Druckunterschiede vom Wetter in diesen Bereich liegen, kann man sagen, dass wetterfühlige Infraschall wahrnehmen. Natürlich sind die Druckschwankungen u. U. deutlich stärker als was vom Verkehr kommt und Verkehr belastet einen mit einem ganzen ‚Cocktail‘ von Frequenzen. Dies zu trennen ist natürlich schwierig. Wenn jemand sagt Infraschall ist nicht hörbar unterhalb des Wertes X, bin ich sofort dabei. Nicht wahrnehmbar, ist aber etwas völlig anderes, weil Schall halt auch immer eine auf den gesamten Körper gerichtete Wirkung hat. Noch dazu kann man einen Wetterumschwung auch in kleinere Schwankungen unterteilen. Denn mit Sicherheit ändert sich der Druck nicht gleichmäßig und schwankt immer wieder.

Hier kommt man natürlich in Bereiche die experimentell nicht gut messbar sind. Denn wie will man die physiologischen Reaktionen des Körpers auf Infraschall messen? Bei Wetterfühligkeit erkläre ich mir das so, dass die Druckschwankungen sich auf den Blutdruck auswirken und der Körper hier mit der Regulierung Schwierigkeiten bekommt. Schließlich muss die Gefäßweite nachjustiert werden und das immer wieder. Ob auch wesentlich schwächerer Infraschall mit höheren Frequenzen sich so auswirkt wäre interessant. Experimente dazu sind aber extrem schwierig. Dazu müsste man erst einmal verstehen, wie der Körper etwas wahrnimmt und wie stark sich dies bei Menschen unterscheidet. Mir ist hier keine Technik bekannt mit der man wirklich objektive Werte ermitteln kann, wobei selbst das nicht ausreichen würde. Denn schließlich sind die Menschen physiologisch und auch psychisch sehr unterschiedlich und dies ist noch dazu nicht einmal konstant, sondern ändert sich in Abhängigkeit von verschiedensten Faktoren.

Bei solchen multifaktoriellen Systemen eine Größe zu ermitteln kann man zwar statistisch versuchen, aber auch das ist komplex. Wenn man Messergebnisse, wie Wahlen hat und daraus sagen kann, wie „repräsentativ“ die Werte einer vorherigen Befragung sind, so lässt sich dies zu einem gewissen Grad im Nachhinein feststellen. Bei einer Befragung ohne derartige Kontrolle bekommt man zwar Werte, weiß aber nicht, ob man den Werten überhaupt trauen kann. Zumal bei vielen Lärmuntersuchungen primär auf Befragungen gesetzt wird. Dass man dadurch viel zu hohe Grenzwerte bekommt, sieht man sehr deutlich beim hörbaren Verkehrslärm. So eine Befragung ist nicht objektiv, kann sie gar nicht sein. Weiterhin hängt, wie bereits schon angedeutet, viel von den Personen ab, welche ausgewählt wurden. Für Lärmversuche im Schlaflabor wird sich kaum jemand melden, der ohnehin schon schlecht schläft. Somit wird man nicht die verletzlicheren Gruppen betrachten. Das ist ähnlich, wie Versuche mit neuen Medikamenten nur/überwiegend an Männern durchzuführen, um dann später die Ergebnisse auf Frau zu übertragen. Es werden auch bei der Lärmforschung mit Sicherheit die Gruppen ausgelassen, die besonders Lärmsensitiv sind. Als Beispiel seien hier etwa Menschen aus dem Autismusspektrum erwähnt. Ist zweifelhaft, dass diese Gruppe in der Lärmforschung angemessen berücksichtigt wird. In Beteiligungsverfahren wird der Lärm und die Wirkung auf solche Gruppen m. W. nicht berücksichtigt. Aus meiner Sicht ein eklatanter Verfahrensfehler.

Fakt ist, die Auswahl von Versuchspersonen ist extrem schwierig, da sie auch „Randgruppen“ berücksichtigen muss. Ob eine Gruppe wirklich repräsentativ ist, lässt sich dabei nicht feststellen, weil es im Gegensatz zu der erwähnten Wahl, m. W. bisher kein Messerverfahren gibt, mit man wirklich eindeutig physische und psychische Reaktionen verifizieren kann.

Aber wie gesagt die „Diskussion“, würde es gefühlt eher als Predigt beschreiben, ist festgefahren. Argumentativ waren die beiden nicht zugänglich, solange es ihren Standpunkt nicht untermauert. Erinnert mich doch schon deutlich an Impfgegner, die auch ihren Glauben haben.

Und dann war da noch die unphysikalische Angabe von Druck in Zentimetern bei einem Post zum Thema Feuerwerk. Druck ist physikalisch Kraft pro Fläche, also meist N/m², ist gibt auch andere davon abgeleitete Einheiten. Es gibt zwar Messverfahren, wo man den Druck über eine Distanz ermittelt. Etwa mit einer Quecksilbersäule, aber auch da muss man die Rahmenparameter berücksichtigen, um daraus einen Druck zu bestimmen. Wenn man dann bei Twitter zum Silvester-Feuerwerk so etwas postet, wie der Druckunterschied war 8 cm, ist das weder wissenschaftlich noch richtig, weil es kein Druckunterschied ist, sondern ein Wert mit dem man vielleicht den Druck bestimmen könnte.

Ich habe das jetzt hier so ausführlich geschrieben, um meinen Standpunkt klarzustellen und jedes Mal, wenn jemand die Diskussion fortsetzen will, werde ich diesen Link posten.

Aber ist ja nicht das erste Mal, dass jemand aus der Physik denkt alles zu wissen. Jemand meinte auch mal den 2. Hauptsatz der Thermodynamik zu verstanden haben, weil er im Physikstudium sei, konnte diesen aber nicht einmal auf das System Erde anwenden und erst recht auf „Wachstum“ und deshalb war es für ihn unwahr.

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