#Krankenversicherung: Unterschiedliche Bewertung von physischen und psychischen Behandlungen

Wenn sich mit der Thematik beschäftigt stellt man fest, dass die geistige Unversehrtheit umständlicher ist, als die körperliche Unversehrtheit. Ich hatte hier mal nachgefragt beim Bundesinnenministerium, und nachfolgend Antwort bekommen:

Ihre Frage, weshalb physische und psychische Behandlungen unterschiedlich behandelt werden und warum insbesondere nach § 18a Abs. 3 Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) vor Beginn einer Psychotherapie ein Gutachterverfahren vorgeschaltet ist, lässt sich wie folgt beantworten:

Es ist kein Spezifikum der Beihilfe, dass physische und psychische Behandlungen partiell unterschiedlich behandelt werden, sondern auch im Bereich der gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen ist dies der Fall.

Physische Behandlungen umfassen z.B. ärztliche und zahnärztliche Behandlungen, von Ärzten oder Zahnärzten verordnete Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel oder auch Leistungen von Heilpraktikern. Diese Aufwendungen sind grundsätzlich beihilfefähig, wenn sie notwendig und angemessen sind und sich innerhalb des in der einschlägigen Gebührenordnung vorgesehenen Gebührenrahmens bewegen. Die auf Grund von physischen Symptomen am häufigsten diagnostizierten Krankheiten bei Erwachsenen sind: Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Koronare Herzkrankheiten, Typ 2-Diabetes, Vergrößerung der Schilddrüse, Fettleibigkeit, Krankheiten der Leber, Schleimhautentzündung von Magen und Darm etc. Zur Behandlung dieser Erkrankungen bedarf es neben der Diagnostik keines Gutachterverfahrens.

Im Gegensatz zu den die „Physis“ betreffenden Belangen stehen die „psychischen“ oder auch „geistigen“ Belange in der Medizin, sie sind in der BBhV in den §§ 18 ff geregelt. In dem von Ihnen kritisierten Gutachterverfahren Psychotherapie wird im Hinblick auf die Beihilfefähigkeit die Notwendigkeit sowie Art und Umfang einer psychotherapeutischen Behandlung beurteilt (§ 18a BBhV). Die Einschätzung des Gutachters über die Krankheitswertigkeit einer Störung, die Notwendigkeit ihrer Behandlung und die Indikation beruht auf einer Synopsis der Angaben des antragstellenden ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten hinsichtlich relevanter Vorerkrankungen und sozialmedizinischer Aspekte. Sie schafft die Grundlage für die Entscheidung differenzialdiagnostischer Fragestellungen und daraus abgeleiteter Therapien. Nur im Gutachterverfahren kann die Entscheidung getroffen werden, ob die Symptomatik des Patienten einer anderen Behandlung als einer psychotherapeutischen bedarf oder ob weitere, ergänzende Maßnahmen notwendig sind. Das Gutachterverfahren ist insofern ein Qualitätssicherungsinstrument, das auch für Patienten die Gewähr bietet, die bestmögliche Behandlung zu erhalten. Letztlich stellt das Gutachterverfahren angesichts des finanziellen Aufwands für eine Psychotherapie und des relativ langen Behandlungszeitraums auch sicher, dass nur notwendige und wirtschaftlich angemessene Aufwendungen seitens der Beihilfe erstattet werden.

Kein Gutachterverfahren erfolgt in Fällen einer psychotherapeutischen Akutbehandlung (§ 18 Abs. 2 BBhV), da es sich hierbei um einen akuten, sofortigen Behandlungsbedarf handelt.

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