#Duisburg: Abstand zu Gehenden am Berthaplatz

Duisburg ist bekannt für PKW-zentrierte Verkehrspolitik. Als ersten Test nahm ich einen Engpass am Berthaplatz zum Anlass der Stadt Duisburg die Situation und persönliche Gefahrenerlebnisse zu schildern.

Die Antwort fiel aus, wie man bei der Stadt Duisburg nicht anders erwarten konnte. Die Stadt Duisburg ist mir ja leider bereits bekannt für Verkehrsdiskriminierung an anderen Stellen. Nachfolgend also mal das Schreiben der Stadt zerpflückt.

Die Argumentation in dem Schreiben wird der realen Situation nicht gerecht. Das PKW auf Gehende warten würden habe ich noch nie erlebt. Vielen dürfte nicht einmal bekannt sein, dass es einen Mindestabstand zu Gehenden gibt. Gibt ja bereits viel zu wenige die sich bei Radfahrenden daran halten. Weiß nicht ob mangels Kenntnis oder mangels Wille.

Die Parkenden führen ganz sicher nicht zu einer Geschwindigkeitsreduzierung. Die Autos beschleunigen teilweise in dem Bereich sogar noch, wie ja bereits schrieb, selbst wenn Gehende bereits in dem Stück sind und der Abstand nicht eingehalten werden kann. Was die StVO sagt, wird doch gar nicht beachtet, weil es keiner kontrolliert oder gar sanktioniert. Minimum wäre hier mal eine Kontrollaktion durch Polizei in Zivil mit entsprechenden Bußgeldern in unregelmäßigen Abständen.

Aus der Fluiddynamik ergibt sich, dass bei gleichem Druck der Fluss von Wasser an einer Engstelle beschleunigt wird und gerade nicht verlangsamt. Im Verkehr ist das nicht anders.

Rücksichtnahme im Straßenverkehr? Klingt auf dem Papier gut, die Realität sieht anders aus. Mit dem Einsteigen in einen PKW schaltet sich bei einem hohen Prozentsatz die Rücksichtnahme selbstständig aus.

Seit wann haben PKW Vorrang? In § 25 StVO steht dazu nichts. Was ist hierfür die Rechtsgrundlage? In der StVO steht jedenfalls kein Vorrang für PKW. Vielleicht steht dies nur so im Handbuch der Stadt Duisburg.

Das PKW warten müssen, sollte denen mal jemand erklären, denn machen tun die das nicht, was ja wie bereits geschrieben der Grund für mein Schreiben war.

Das in den anderen Bereichen kein geschützter Verkehrsraum zur Verfügung stehen würde ist unwahr. Am Berthaplatz befindet sich ein Weg auf dem Platz, der sicher von einem Ende zum Anderen des Platzes führt. In dem Bereich zur Margerethenstraße hin ist absolutes Halteverbot, besteht also ein höherer Schutz, durch mehr Platz. Die Lisastraße ist eine Spielstraße, wodurch ebenfalls ein höherer Schutz besteht.

Das Argument der Unfallstatistik ist absurd. Verkehrsschutz heißt eine Situation zu entschärfen, bevor etwas passiert und nicht erst zu handeln, wenn es Tote oder Verletzt gab. Wäre übrigen zumindest grob fahrlässig, wenn nicht sogar bedingter Vorsatz, wenn jetzt etwas passieren würde, obwohl es bereits im Vorfeld Hinweise auf eine Gefährdung gab. Ich beschrieb ja bereits einen erheblichen Verstoß in dem Bereich, der einem Beinaheunfall nahe kommt. Von Problemsituationen wurde mir auch von anderen Personen berichtet.

Und natürlich werde ich das wie auch weitere Verkehrsthemen weiterverfolgen, bis die Stadt Duisburg endlich alle Verkehrsteilnehmenden gleichrangig behandelt.

Antwort der Stadt Duisburg:

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

Ihren Hinweisen zur derzeitigen Verkehrssituation am Berthaplatz konnte zwischenzeitlich abschließend nachgegangen werden. Die mir vorliegenden Prüfergebnisse des zuständigen Fachbereichs kann ich Ihnen nunmehr ausführlich darlegen.

Wie in vielen anderen Wohnquartieren in Duisburg auch verfügen die Straßen im Umfeld des Berthaplatzes nur über eine max. 6,00 m breite Fahrbahn, gesonderte Gehwege sind nicht vorhanden. Als Höchstgeschwindigkeit gilt in dem Wohnquartier 30 km/h. Die am rechten Fahrbahnrand zum Parken abgestellten Fahrzeuge engen die Fahrbahnbreite punktuell ein, was zu einer weiteren Geschwindigkeitsreduzierung führt, weil in der Höhe Begegnungsverkehre nur unter gegenseitiger Rücksichtnahme und Verständigung abgewickelt werden können. Als Hauptnutzer der Straßen sind vorrangig die Bewohner des Quartiers auszumachen, denen die verkehrliche Situation bekannt sein dürfte.

Laut der Straßenverkehrsordnung müssen Fußgänger den Gehweg nutzen. Ist kein Gehweg vorhanden, benutzen sie die Fahrbahn mit, indem sie am rechten bzw. am linken Fahrbahnrand laufen. Versperren parkende Fahrzeuge den Fahrbahnrand, muss der Fußgänger in die verbleibende Fahrgasse ausweichen jedoch unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs, der vorrangig die Fahrbahneinengung passieren darf. Befindet sich der Fußgänger bereits in der Engstelle, darf das Fahrzeug den Fußgänger nur unter Einhaltung des nunmehr gültigen Mindestabstandes von 1,50 m passieren. Wenn dieser Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, ist der Kfz-Verkehr wartepflichtig gegenüber dem Fußgänger.

Dem Vorschlag, auf dem ca. 60 m langen Fahrbahnabschnitt zwischen Lisastraße 60 und dem Berthaplatz Poller einzubauen, mit dem Ziel einen geschützten Verkehrsraum für Fußgänger zu schaffen, wird nicht gefolgt, weil dem Fußgänger davor und dahinter auch kein geschützter Verkehrsraum zur Verfügung steht. Außerdem wird ein geschützter Verkehrsraum für den fußläufigen Verkehr aus verkehrsplanerischer und aus polizeilicher Sicht als nicht notwendig erachtet, weil einerseits die Verkehrsmenge sowohl des fließenden als auch des fußläufigen Verkehrs in dem Wohnquartier sehr gering ist und weil die polizeiliche Unfallstatistik in dem Bereich auch in den vergangenen Jahren nicht einen Unfall dokumentiert.

Auch der Vorschlag, Parkverbote zu erlassen, wird als nicht zielführend erachtet, da dadurch partielle Engstellen entfallen, die das Geschwindigkeitsniveau in dem Wohnquartier positiv beeinflussen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich mit der Freigabe der gesamten Fahrbahnbreite für den fließenden Verkehr das Geschwindigkeitsniveau erhöht.

Aus den genannten Gründen wird Ihre Einschätzung, dass es sich bei Straßenabschnitt um einen verkehrlichen Angstraum handelt, der dringend eine Entschärfung braucht, weder aus verkehrsplanerischer noch aus polizeilicher Sicht geteilt. Ich hoffe, Ihnen die Situation dennoch verständlich dargestellt zu haben und bitte um Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

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