#Dieselskandal: Berichterstattung der ARD – #Fakenews #Stickoxide #Feinstaub

Vor einige Zeit habe mich bereits an die ARD bzw. den verantwortlichen NDR gewandt, weil in der Sendung „Das Diesel-Desaster“ die Wahrheit ziemlich entstellt wurde. Jetzt bekam ich von Thomas Berbner, nach mehreren Nachfragen, dann doch mal eine Antwort, nach gerade einmal 4 Monaten. Das Schreiben ist unten vollständig angehangen.

Aber zuerst meine Antwort darauf:

Sehr geehrter Herr Berbner,

das man bei Kritik mit Verteidigung reagiert ist nur natürlich, allerdings nehme ich Ihnen die saubere Recherche nicht ab.

Okay, wenn sie keine Fakten Falsch dargestellt haben, wo konkret hat Jürgen Resch geäußert, dass er klagt, damit es Fahrverbote für ältere Diesel gibt?

Die wenigen Lungenärzte, welche Behauptungen aufgestellt haben, haben sich bekanntlich inzwischen als unglaubwürdig herausgestellt. Ein grundsätzliches Infragestellen setzt voraus, dass es eine Mehrheit ist, die dies tut und nicht einige wenige.
Und natürlich finden sich für alle Themen Menschen, die etwas behaupten. Auch Fachleute. Solche Fachleute findet man auch bei vielen anderen kontroversen Themen. Ein Beweis ist das nicht. Zumal Herr Köhler sich mit dem Thema Stickoxide nicht einmal fachlich befasst und dazu publiziert hat. Haben Sie dies etwa nicht vorher überprüft? Und der Mathematiker, mit welchen Themen hat der sich bisher beschäftigt? Nur weil jemand einer bestimmten Fachrichtung angehört heißt dies nicht, dass hier auch wirklich fundierte Kenntnisse vorliegen. Ich kann in Chemie auch viel Begriffe aneinanderreihen und etwas zu Themen sagen, wo ich nicht tief drin bin. Das klingt überzeugend, belegt aber rein gar nichts.

Ihre Recherche hat nichts widerlegt, sondern lediglich unfundierte Zweifel aufgezählt. Dass Sie die Werte der WHO nicht für tragfähig halten, ist eine Meinung, aber bekanntlich sind Meinungen nicht zwangsläufig Fakten.

Die extrem unsaubere Recherche zeigt sich besonders deutlich an dem Arbeitsplatzgrenzwert für 8 Stunden. Wenn man sich mit dem Thema mal ein wenig befasst und wirklich recherchiert wird man auf den Ausschuss für Innenraumrichtwerte stoßen und feststellen, dass der Jahresmittelwert von 40 µg/m³ auch für die meisten Arbeitsplätze gilt. In Einzelfällen gibt es noch einen Kurzzeitvorsorgewert von 80 µg/m³ als Stundenmittelwert. Der 8-Stunden-Grenzwert dagegen gilt für Industriearbeitsplätze und führt zu einer Gesundheitsüberwachung, die Probleme frühzeitig erkennt. Dies ist für die allgemeine Bevölkerung nicht der Fall.
Zudem müssten Sie bei einer echten Recherche sich auch mit dem Arbeitsschutzrecht beschäftigt haben und demnach wissen, dass die Konzentration zwar zulässig sein mag, danach aber auch eine Erholungsphase stattfindet, genau, wie nach dem Rauchen. Auf der Seite des UBA findet sich hierzu eine gute Erläuterung. Zudem gilt nach Arbeitsschutzgesetz nebst Verordnungen, dass die Gefährdung zu verringern ist. Somit kann die hohe Konzentration allerhöchstens eine Ausnahme darstellen.

Welche Halbwertszeit für NOx am Boden, haben Sie denn in Ihren Recherchen gefunden? Verwundert mich, dass keinen konkreten Wert genannt wird. Für den Bodenbereich ist der Wert übrigens etwa ein Tag, was nicht wirklich schnell ist. In höheren Bereichen ist dies länger. Also etwa dort, wo die Schornsteine sich befinden. Dass der Wert an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich ist, kann an vielen Faktoren liegen. Etwa der Windrichtung, der Verwirbelung und Verdünnung, der Reaktion mit Oberflächen. Es ist also eine genaue Analyse notwendig, um wirklich fundiert Aussagen darüber treffen zu können, wodurch Konzentrationsunterschiede in Strömungen zustande kommen.

Beim Rauchendenbeispiel wird erneut Kurzzeitexposition und Dauerexposition vermischt. Ich kann meinen Finger auch kurze Zeit in eine mehrere hundert Grad heiße Kerzenflamme halten, aber nicht längere Zeit in 70 °C heißes Wasser.

Welche Vorschrift sagt dies genau an welcher Stelle? Falls Sie sich auf die 39. BImSchV Anlage 3 ( https://www.gesetze-im-internet.de/bimschv_39/anlage_3.html ) beziehen sollten, steht dort konkret, was zulässig ist und diese Vorgaben hält die Messstelle auch ein. Seltsam, dass Sie in Ihrer Antwort so unkonkret bleiben.

Ich schrieb: „Es wird behauptet ein erheblicher Teil des Feinstaubs wäre auf andere Faktoren zurückzuführen als den Motor.“ Also bitte ich mal um einen entsprechenden Fachartikel, der dies belegt, dass von den Reifen mehr Feinstaub käme, als aus dem Motor. Wird zwar immer wieder behauptet, aber nicht belegt, deshalb ist das auch strittig. Und was in einer Tageszeitung steht ist kein Fachartikel. Das kann sauber recherchiert sein, abgeschrieben oder, wie etwa beim Spiegel sogar frei erfunden.

Ich nehme an, dass wieder die 39. BImSchV gemeint ist, in der ebenfalls steht, dass es nicht um den konkreten Ort geht, sondern dieser repräsentativ sein soll. Folglich ist natürlich irreführend, dies nicht zu erwähnen.

Bei Regen wird nur der Feinstaub aus dem unmittelbaren Umfeld erfasst, dass heißt nicht, dass der andere nicht ebenfalls aus dem Auto stammt. Feinstaub schwebt je nach Größe sehr lange und wird vom Verkehr auch immer wieder aufgewirbelt.

Nur eine flächendeckende durchgehende Messung kann Werte genau feststellen, dass erscheint aber zu teuer und aufwändig zu sein.

Durch die niedrigen US-Feinstaubgrenzwerte, die deutlich niedriger sind, als in der EU, werden selbstverständlich auch weniger Stickoxide ausgestoßen. Da erstens die Luft besser gefiltert wird, weil mehr Oberfläche im Fahrzeug Partikel und damit auch NOx abfängt und zweitens Stellen Stickoxide ebenfalls einen Vorläufer für Feinstaub dar. Hier ist übrigens auch die Adbluetechnologie irreführend, da diese zu einem erhöhten Nitratausstoß führt. Hier natürlich noch als Ultrafeinstaub, der zu Feinstaub akkumuliert.

Selbstverständlich erhebe ich Vorwürfe, wenn nicht sauber recherchiert und berichtet wird. Besonders, wenn deutlich erkennbar ist, was alles verschwiegen wird. Und sicherlich erhält man viele positive Bewertungen, wenn man der Meinung der Mehrheit folgt, mit Fakten hat dies natürlich nichts zu tun. Wenn man die eigene Meinung bestätigt bekommt hinterfragt man selten etwas.

Grundtenor der Sendung war, dass alles falsch wäre und alles nur unnötige Panikmache. Vielleicht sollten Sie mal in die Historie gehen und sich etwa zum Thema Asbest informieren. Oder über die vielen Lügen der Drogenindustrie zu Tabak. Oder die Medizinskandale. Auch das Echo auf die Behauptungen von Köhler von wirklichen Fachleuten der Medizin sollte eigentlich zu denken geben.

Die Antwort belegt deutlich, dass es mit der angeblich sauberen Recherche nicht weit her ist, da selbst einfache Fakten scheinbar nicht bekannt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

Anlage Schreiben von Berbner:

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

danke für Ihre mail. Bitte entschuldigen Sie die späte Antwort. Angesichts
des großen Umfangs Ihrer Zuschrift kommen wir erst jetzt dazu, Ihnen eine
detaillierte Antwort zu schicken.

Der Beitrag „Das Diesel Desaster“ wurde vom NDR für die ARD recherchiert
und hergestellt, die Autoren waren Torben Börgers und ich selbst.

Ich will versuchen, auf ihre Kritik an unserer Sendung einzugehen. Reine
Meinungsäußerungen ohne konkreten Bezug zu unserem Film kann ich nicht
kommentieren, da bitte ich um Verständnis.

Wir haben keine Fakten falsch dargestellt. Auch trifft es nicht zu, dass
wir wesentliche Informationen weggelassen haben. Vielmehr haben wir für
den Beitrag sehr umfassend recherchiert und für den Zuschauer die
relevanten Informationen zusammengetragen.

Fahrverbote werden von Gerichten erlassen bzw. angemahnt, Grundlage sind
Überschreitungen von Grenzwerten bzw. die Annahme der Gerichte, die
Einhaltung der Grenzwerte seien wichtig für den Gesundheitsschutz der
Bevölkerung. Dieser Zusammenhang wurde von uns kritisch hinterfragt. Die
statistischen Methoden zur Errechnung des Zusammenhangs von NO2 Exposition
und Gesundheitsfolgen sind fragwürdig, die Lungenärzte haben das in
zahlreichen Argumenten in unserem Film dargelegt. Die statistischen
Methode zur Berechnung von vorzeitigen Todesfällen wird übrigens nicht nur
von Ärzten grundsätzlich in Frage gestellt. Für einen anderen Beitrag in
unserer Sendung Plusminus haben wir auch einen Mathematiker und
Epidemiologen die Methoden kritisch überprüfen lassen, er kam zu dem
gleichen Ergebnis.

Ihre Schlussfolgerung, wenn etwas zu einem Gesetz würde, wurde es vorher
sehr genau geprüft, wurde durch unsere Recherche über den
Jahresmittelwert von NO2 widerlegt. Auch den häufig gebrauchten Hinweis,
die WHO habe den Wert empfohlen, dann müsse ja etwas dran sein, halten wir
nicht für tragfähig.

Ihre Argumentation, epidemiologische Studien könnten andere Einflußgrößen
berücksichtigen und herausrechnen, trifft nur zum Teil zu. In vielen
Studien ist diese Bereinigung der Störgrößen nur unzureichend oder zum
Teil gar nicht gemacht worden. Ihre Kritik am Vergleich zwischen
Jahresmittelwert und 8 Stunden-Grenzwert beim NO2-Grenzwert am
Arbeitsplatz geht leider an der Sache vorbei. Wenn ein Arbeitsnehmer 8
Stunden am Tag den drastisch höheren Wert einatmen darf, ohne dass seine
Gesundheit gefährdet ist, kann man durchaus hinterfragen, welche Gefahren
aus dem Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft ableitbar sein
sollen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass NO2 sich schnell zersetzt
und schon wenige Meter neben der Messstation die Werte noch deutlich
geringer sind.

Beim Raucherbeispiel hat Herrn Köhler ja einen Rechenfehler gemacht,
weil er die Reduzierung der Kondensatmenge in Zigaretten nicht richtig
wusste. Das änderte aber nichts an seiner Argumentation, dass Raucher in
kurzer Zeit sehr viel größere Mengen NO“ und Feinstaub aufnehmen, aber
nicht in kurzer Zeit daran versterben. Natürlich stirbt ein Raucher
trotzdem früher. das hat Herr Köhler in dem Statement ja auch deutlich
gemacht, aber nicht so früh, wie es zu erwarten wäre, wenn NO2 und
Feinstaub die in der Epidemiologie behaupteten schädlichen Wirkungen in
niedrigen Konzentrationen hätte.

Für die Beurteilung der Messstelle am Neckartor genügt es nicht, dass die
Ansaugstutzen Richtung Straße zeigen. Die Vorschriften für die Aufstellung
solcher Messstellen besagen, dass die Luft in einem ein weiten Bereich um
die Messtelle ungehindert zirkulieren kann.

Dass Dieselmotoren kaum noch Feinstaub ausstoßen, ist wissenschaftlich
lange belegt und auch nicht strittig. Sie können das auch in dem jüngsten
Artikel in der Süddeutschen Zeitung nachlesen.

Die Argumentation von Prof. Klingner vom Fraunhofer-Institut war, dass die
Aufstellung so nah an der Fahrbahn das Messergebnis verfälscht. Wir haben
ja gezeigt, dass nur wenige Meter entfernt der Wert für NO2 sehr viel
niedriger ist. Das gilt dann auch für die Wohngebäude. Häufig wird ja auch
mit vorgeschädigten Personen argumentiert oder mit Kindern oder
Schwangeren. Entscheidend ist aber – und so steht es auch in der
entsprechenden Vorschrift – wie lange sich Personen in der Nähe der
Emissionsquelle aufhalten.

Die Messung des Feinstaubs bei Regen hat es ermöglicht, die tatsächliche
Menge des aus den Auspuffen stammenden Feinstaubs zu bestimmen. Das wurde
in dem Beitrag erklärt. Tatsächlich sind die Feinstaubmengen bei trockenem
Wetter höher. Es handelt sich dann aber um Feinstaub aus anderen Quellen,
der durch die Straßen geweht wird und nicht aus dem Motor stammt.

Die Gastherme ist älterer Bauart, die Fachleute haben häufig bei der
Anwesenheit solcher Etagenheizungen höhere NO2 Werte festgestellt. Auf
jeden Fall war der NO2 Wert in der Küche höher als draußen, die Therme der
einzige plausible Grund für diese Diskrepanz. Normalerweise sind die NO2
Werte in Wohnungen deutlich geringer als die Werte draußen.

Die Stadtverwaltung in Oldenburg hat die Situation in ihrer Stadt sehr
genau analysiert. Ihre Argumentation, dass eine Grenzwertüberschreitung
von NO2 an einer einzigen Messstation nichts über die Luftqualität in der
Stadt aussagt, halte ich für sehr fundiert., Auch das niedersächsische
Umweltministerium stützt nach einer erneuten Überprüfung diese
Argumentation.

Der Vergleich mit den USA und dem dort höheren NO2 Jahresmittelwert zeigt,
dass eine Empfehlung der WHO nicht überall gleich bewertet wurde. Für die
Fahrverbote ist allein NO2 verantwortlich, deshalb ist der
Feinstaub-Grenzwert an der Stelle nicht wichtig.

Ihre Schlussbemerkung halte ich für eine sehr fragwürdige Melange von
massiven Vorwürfen mit porblematischen Beimischungen: sie werfen uns
unseriösen Populismus vor. Prof. Hetzel meinte mit dieser deutlichen
Bewertung am Ende unseres Films aber die Vorgehensweise der Umwelthilfe
und der Wissenschaftler, die aufgrund zweifelhafter wissenschaftlicher
Grundlagen Ängste in der Bevölkerung schüren. Wir haben – das wird sie
sicher nicht überraschen – natürlich keine Gelder oder andere
Unterstützung von der Autoindustrie erhalten. Diese Unterstellung weisen
wir zurück, sie verwundert umso mehr, wenn Sie diese Behauptung im
Zusammenhang mit Anspielungen auf alternative Fakten erheben. Sie sind
damit, was das Echo auf unsere Berichterstattung angeht, auch in einer
deutlichen Minderheit. Die zahlreichen positiven Zuschriften auf unsere
Berichterstattung haben uns gezeigt, dass wir dem von uns selbst gesetzten
Thema offenbar einen Nerv getroffen haben und dass viele Zuschauer sehr
dankbar waren für die umfangreiche, detaillierte und gerade nicht
einseitige Berichterstattung.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Berbner

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