Logport-1-Straßen sind zu schmal

Ich hatte vor einiger Zeit ja mal zum Thema der Straßen auf Logport berichtet und ermittelte weiter.

Folgende Antwort bekam ich von der Stadt Duisburg:

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

wie bereits am Erörterungstermin erläutert, beträgt die Straßenbreite 6,50 m und somit der Standardbreite einer Gewerbestraße nach den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt, Bild 35).

Ebenso sind die Buchten mit einer Breite von 2,50 m ausgebildet und entsprechen dem erforderlichen Maß für Sattelzüge nach RASt ( Tabelle 23)

Daher entspricht die Fahrbahnbreite sowie auch die Breite der Parkbuchten den aktuellen Richtlinien.
Zudem wird der Bereich nicht als Unfallhäufungsstelle geführt. Auch Stauungen in diesem Bereich sind nicht bekannt.

Ich werde Ihre Email an das zuständige Planungsamt weiterleiten.

Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. …

Dabei stehen in der StVZO die maximalen Abmessungen für LKW mit 2,55 m bzw. 2,60 m in Sonderfällen.

Natürlich begnügte ich mich mit dieser Information nicht, sondern fragte beim Landesverkehrsministerium nach.

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

für Ihre Anfrage danke ich Ihnen.

Die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen veröffentlichten „Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs“ (EAR – Ausgabe 2005) enthalten Grundsätze und Hinweise für die Planung und die Bemessung des Parkraumangebots sowie für den Entwurf, den Bau und den Betrieb von Park- und Ladeflächen im Straßenraum, von Parkplätzen, von Parkbauten sowie von Ladehöfen.

Nach Abschnitt 4.2.3.1 (Parkstandbreite) der EAR beträgt die Regelparkstandbreite für Lkw und Busse bei einer Längsaufstellung im Straßenraum auf der Fahrbahn 3,0 m. Bei Schräg- und Senkrechtaufstellung beträgt die Regelparkstandbreite 3,5 m, um das Ein- und Aussteigen zu ermöglichen.
Die Frage, ob und inwieweit eine 6,5 m breite Straße mit Verschmälerung durch parkende Fahrzeuge für Schwerlastverkehr geeignet ist, vermag ich von hier nicht zu beantworten. Dies zu entscheiden ist in jedem Einzelfall Aufgabe der Kommune respektive der örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörde unter Beteiligung des Straßenbaulastträgers und der Polizei. Hierbei sind eine Reihe recht unterschiedlicher Kriterien und Nutzungsansprüche zu beachten, wie z. B. die Bedeutung und Funktion der Straße (reine Wohn-, Wohnsammel- oder Hauptverkehrsstraße), die Verkehrsbelastung und Art der Verkehrszusammensetzung (PKW/LKW/Radverkehr), ÖPNV-Beschleunigung und/oder die Häufigkeit von Fußgängerquerungen.
Hinweise für die Überprüfung der Befahrbarkeit der verbleibenden Fahrbahnfläche neben parkenden und ladenden Fahrzeugen enthalten die „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ (Rast 06).

Aus urheberrechtlichen Gründen ist es mir untersagt, Auszüge der genannten Richtlinien weiterzureichen. Die Richtlinien sind jedoch beim FGSV Verlag GmbH, Wesseliger Straße 17, 50999 Köln erhältlich und auch im Internet unter http://www.fgsv-verlag.de zu bestellen.

Ich hoffe, dass ich Sie ausreichend unterrichten konnte und verbleibe.

Die Antwort von Landesverkehrsministerium fand ich ausgezeichnet. Nicht etwa, weil meine Meinung bestätigt wird, sondern, weil sie ausführlich war und man sofort wusste wo man sich weiter informieren kann.

Was ich dann auch tat. Wenn die Empfehlung also 3 m lautet sind 2,5 m zu schmal. Zumal solche ‚Empfehlungen‘ meistens als Rechtsgrundlage herangezogen werden und damit verbindlichere Wirkung haben, als der Begriff Empfehlung glauben macht.

Bei einer Recherche zum Rast fand ich dann eine Grafik, welche für Straßen mit häufigen LKW-Begegnungsverkehr 7 m als Straßenbreite vorsieht. Also entweder hat die Stadt hier nicht sauber gearbeitet oder diese Fehlplanung wissentlich zugelassen.
Wie auch immer. Ich gehe davon aus, dass so etwas kein Einzelfall ist.

Zu schmale Straßen und Parkplätze sind nicht nur für LKW-Fahrer ein Ärgernis. Durch das ständige Anfahren und Abbremsen von LKW entstehen enorme Mengen an Feinstaub, sowie natürlich auch Stickoxide und Kohlendioxid. Denn gerade ein derartiger Verkehr verbraucht viel Energie.
Wobei viele Stellen in Duisburg durch Optimierung von Ampelschaltungen deutliche Minderungen bei der Feinstaubbelastung erfahren könnten. Insbesondere dann, wenn auf Verkehrsstörungen schnell genug reagiert würde.

Wenn man sich das genau anschaut müssten die Parkplätze für größere LKW gesperrt werden. Die logische Folgerung kann hier nur sein, dass ein extra Parkplatz errichtet werden muss oder die Buchten zu ändern sind.
IMG_20160605_142543 Logport LKW Kombi a

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3 Antworten zu Logport-1-Straßen sind zu schmal

  1. Pingback: Keine Umweltverträglichkeitsprüfung für Logport I durchgeführt | ulrics

  2. Münkel schreibt:

    Sehr geehrter Herr Scharfenort,

    in Hannover haben wir ein vergleichbares Problem vorliegen. Auch hier ist trotz prägendem hohem LKW-Anteil die Parkbucht mit nur 2,50m Breite ausgeführt. EIne entsprechende Anfrage
    bei der Stadt Hannover führte zu einem ähnlichem Ergebnis wie bei Ihnen. Gemäß RAST 06 wurde eine Gewerbestraße geplant. Planmäßig sieht die RAST 06 bei einer Gewerbestraße eine Parkbuchtbreite von 2,50m vor. Gleichwohl verweist die RAST 06 auf eine Regelparkstandsbreite von 3,00m für LKW.
    Im Übrigen differenziert die RAST 06 zwischen Gewerbe- und Industriestraße. Eine Industriestraße ist insbesondere von einem hohen LKW-Anteil geprägt. Hier ist eine Parkstandsbreite von 3,00m vorgeschrieben. Näheres hierzu in folgendem Link:

    https://books.google.de/books?id=TzojBAAAQBAJ&pg=PA1558&lpg=PA1558&dq=wendehorst+gewerbestra%C3%9Fe+industriestra%C3%9Fe&source=bl&ots=8A_vYtypQx&sig=AWfionMErSg-Ocr0KKi8ItZruo8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjalNiX0LvQAhWJBcAKHQHaA68Q6AEIGjAA#v=onepage&q=wendehorst%20gewerbestra%C3%9Fe%20industriestra%C3%9Fe&f=false

    Es scheint, als wenn die planmäßigen Richtzeichnungen der RAST 06 für Gewerbestraßen nicht dem aktuellen Nutzungsanspruch gerecht werden.

    MfG

    F. Münkel

    • ulrics schreibt:

      Der RAST dürfte schon richtig sein, bloß die Verwaltungen interpretieren diesen wohl nicht richtig. Eine Gewerbestraße kostet halt weniger Geld.

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