GNS Teil 9. Siempelkamp Nukleartechnik GmbH

Die Fa. Siempelkamp hat ihren Hauptsitz in Krefeld, wo auch ein Teil der Produktion liegt. Insbesondere ist hier natürlich die Nuklearsparte von Interesse, welche Lieferungen von der GNS in Duisburg-Wanheim empfängt. Um diese wird es auch an dieser Stelle gehen.

Bei den Lieferungen der GNS Duisburg handelt es sich um dekontaminierten Metallschrott aus Atomkraftwerken, die bei Siempelkamp eingeschmolzen werden. Das Metall verbleibt je nach Restbelastung in der atomaren Wertstoffkette und wird rezykliert (engl. Recycled). Der Stahlschott kann dabei z.B. die Form von Castorbehältern oder von Rohren für Kernkraftwerke annehmen. Anscheinend wird das Metall, nach der Publikation „Siempelkamp inside“ Seite 21 in Abhängigkeit der Restbelastung auch freigegeben für eine normale Nutzung. Welche Werte hier maßgeblich sind, was der Publikation nicht zu entnehmen.

Ein Verfahren zur Wiederverwertung von Metallschrott aus AKW soll Siempelkamp nach eigener Angabe bereits Ende der 1980 entwickelt haben. Es handelt sich hier um die CARLA-Schmelzanlage (Centrale Anlage zum Recyclieren Leichtradioaktiver Abfälle). Dieser Induktionsofen soll im Zusammenspiel mit den anderen Möglichkeiten von Siempelkamp genutzt werden. Nach dem Geschäftsbericht 2012, soll es auch irgendwo einen Dekontaminationsbereich geben.

Auf dem Gelände in Krefeld dürfen nach einem Zeitungsbericht aus der Rheinischen Post auch schwach radioaktiver Müll gelagert werden. Wobei die Bezirksregierung hier mehr Zähne zu zeigen scheint, als dies bei der GNS in Duisburg, der Fall zu sein scheint.

Zumindest wenn alles so läuft, wie behauptet dürfte kein Grund zur Panik bestehen. Also zum Beispiel, dass man plötzlich in einem Aufzug steht, der aus solchem Stahlschrott gefertigt wurde.

In einem Zeitungsartikel (WZ-Newsline) wird gesagt, dass nur 7,2 % des Schwerlastverkehrs vor Ort von Siempelkamp verursacht würde und, dass dies auch weniger als 1 % des Gesamtverkehrs wäre. Wobei man hier natürlich aufhören muss, weil nicht die Anzahl der Fahrzeuge der relevante Faktor ist, sondern wieviel Lärm und welche Belastung für Straße und Umwelt jedes Fahrzeug erzeugt. Der Schwerlastverkehr erzeugt ein vielfaches des PKW-Verkehrs.

Der Lastverkehr von der GNS dürfte vermutlich zuerst über die B 288 laufen. Das Werk liegt im Krefelder Westen, in dem Bereich zwischen Krefeld-Hüls, Kempen und Tönisvorst. Der Grundriss des Geländes ist mir nicht bekannt, aber auf dem Googlemaps Luftbild sind Felder in der Nähen, wenn nicht sogar direkt im Anschluss ans Gelände zu erkennen.

Die schon zuvor erwähnt Nuklearsparte macht aber noch mehr, als nur Stahlschrott aufzubereiten, sie ist auch aktiv bei der Demontage von Kernkraftwerken. Die Siempelkamp Nukleartechnik Sparte (u.a. NIS-Ingenieurgesellschaft mbH) soll sogar drittgrößter Anbieter von Ingenieurdienstleistungen und Bauteilen für Kernkraftwerkstechnik in der Bundesrepublik sein. Dazu gehört auch Demontage von Reaktorkomponenten, die Verwaltung in KKW zum Beispiel durch das Brennelemente Auskunfts- und Berichtssystem (BABS). Siempelkamp ist nach eigener Angabe für das Brennelementeentsorgungsmanagement der Kernkraftwerke Gundremmingen B und C, Biblis A und B und Emsland zuständig. Im Zusammenhang mit der Demontage von Reaktoren tauchen die Orte Mülheim-Kärlich, Würgassen, Stade, Greifswald, Kahl und Karlsruhe auf. Zudem werden Reaktoren auch neu gebaut. Zum Beispiel Druckwasserreaktoren im Ausland.

Auftraggeber sind u.a. AREVA, RWE Power und E.ON Kernkraft. Auch Aufträge für die USA (KKW Zion, KKW Summer Site/South Carolina, KKW Vogtle/Georgia, Arkansas Nuclear One), Ungarn (PAKS), den Niederlande (Borssele), Frankreich (Flamanville, Gravelines), Belgien (Doel, Tihange), Japan (Kashiwazaki, Kariwa) Slowakei (Krško), Brasilien, Finnland (Olkiluoto), Schweiz (Gösgen), Russland und China (Taishan, Sanman, Hiayang, Changjiang, Verglasungsanlage Guang Yuan) sollen vorliegen.

Man könnte hier wahrscheinlich alles was mit Kernkraft in Deutschland zusammenhängt aufführen, sei es nun Beratung für die Asse, ein Werkzeug für ein AKW oder der Rückbau, an vielen Stellen stammen zumindest Teilleistungen von Siempelkamp.

In 2011 soll gemäß dem Geschäftsbericht ein Auftragseingangsvolumen von 110,5 Mio € vorgelegen haben, in 2010 von 135,6 Mio €. Zum Teil auch aus dem Ausland. Etwa ein Fünftel der Mitarbeiter arbeitet in diesem Bereich.

Neben dem Gießen von Castorbehältern werden auch andere Produkte für völlig andere Sparten gegossen. Es ist unklar, wie eine Reinigung von Resten aus den Gießbehältern sichergestellt wird und was mit eventuellen Resten und Stäuben später geschieht. Zum Beispiel bei der Putzerei. Die Castorbehälter aus den dekontaminierten Stählen werden in der Gießereisparte gefertigt. Auf einer Abbildung im Geschäftsbericht 2011 ist ein Arbeiter zu sehen, der ungeschützt beim Drehen eines Castorbehälters dabei ist.

In seinem Portofolio hat Siempelkamp auch einen sogenannten FLAB-Schutz. Eine Installation, welche angeblich gegen Flugzeugabstürze schützen soll. Ebenfalls erwähnt wird ein neues Kontaminationsverfahren, bei dem anscheinend eine Oberschicht mit oxidieren Chemikalien zur Dekontamination abgelöst wird (NIS-ASDOC).

In einem Bericht der Europäischen Kommission (EUR 13133) geht es unter dem Titel „Erweiterte Untersuchungen über das Einschmelzen von radioaktivem Metallabfall aus der Stilllegung kerntechnischer Anlagen“ (PDF) um die Rezyklierung von Schrott aus Atomkraftwerken. Pikanterweise wurde dieser Abschlussbericht aus dem Jahr 1991 von Siempelkamp Gießerei GmbH & Co und von der NIS Ingenieur Gesellschaft erstellt. Nach dem Dokument dürfte Siempelkamp mit der Verarbeitung von Stahlschrott in den 1980er Jahren begonnen haben. Die Genehmigung vom Regierungspräsidium Düsseldorf für die Anlage TAURUS datiert auf den 28.12.1984 (Nr. U 133/84). Einige Jahre später kam noch die Anlage CARLA hinzu.

Die Informationen auf der Homepage sind sehr ausführlich und geben einen wirklich guten Überblick über die Tätigkeiten. Gefühlt scheint es hier zumindest eine stärkere Transparenz, als bei der GNS in Duisburg zu geben, wo das Material mir eher dürftig erschien.

Ältere Teile:
GNS Teil 1. – Was ist die GNS und was macht sie
GNS Teil 2. – Historische Entwicklung
GNS Teil 3. – Gefahren
GNS Teil 4. – Offene Fragen
GNS Teil 5. – Ausblick
GNS Teil 6. – DS 3578/7 (1987)
GNS Teil 7. – Transporte in Deutschland
GNS Teil 8. Transporte von und nach Duisburg

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