Kreisverband und Ortsverband

Mir kommt bei dem Thema in den Sinn: „Der Weg zum Untergang ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“
In Duisburg gibt es Befürworter für Kreis- und Ortsverband (KOV). Die Anzahl hält sich die Waage mit jenen die KOV ablehnen. Ich gehöre zu jenen mit ablehnender Haltung.

Gestern auf dem Stammtisch West bzw. dem Arbeitstreffen West in Rheinhausen wurde das Thema nochmal angesprochen.

Die Pro-Argumente waren:
– Feste Strukturen für effizientes Arbeiten.
– Erste Ansprechstelle für Neumitglieder.
– Vertretung nach außen und fester Ansprechpartner.
– Nicht ablehnen nur weil Piraten anders sein sollen.
– Wir können das ja jederzeit wieder Rückgängig machen.

Im Nachhinein habe ich mich natürlich noch weiter mit dem Thema beschäftigt. Es sind mir etliche Kontra-Argumente in den Sinn gekommen, die ich hier zusammen mit den schon geäußerten bringe:
– Feste Strukturen bedeuten nicht zwangsläufig effizientes Arbeiten. Die Erfahrung lehrt mich, dass feste Strukturen häufig sogar zu Lähmung führen. Zudem wird die Eigeninitiative des Einzelnen gebremst. Dabei ist die Eigeninitiative sehr wichtig, denn hier steckt die Innovation. Für effizientes Arbeiten reicht es auch, wenn einer die Verantwortung übernimmt und etwas Koordiniert ohne offiziell ernannt worden zu sein.
– Bürokratie tötet meist Innovation ab. Mit einem KOV würde massiv Bürokratie etabliert.
– Ein KOV könnte (potentielle) Neumitglieder abschrecken, weil sie es von den anderen Parteien schon kennen. Warum sollten sie einer Partei beitreten, bei der sie mit den selben Bedingungen rechnen müssen.
– Durch die Verwaltungspiraten gibt es bereits Ansprechpartner für Neumitglieder. Es muss halt bloß einer der Verwaltungspiraten darum kümmern. Das ist aber auch eine Frage der Definition der Aufgaben im Rahmen einer entsprechenden Satzung.
– Für die Vertretung nach Außen gibt es Pressepiraten. Deren Aktivität lässt sich durch eine entsprechende Geschäftsordnung entsprechend regeln.
– Warum etwas von anderen Parteien übernehmen? Sind wir Piraten wirklich so naiv einen KOV besser hinzubekommen, als die anderen Parteien? Wenn wir einen neuen Politikstil etablieren wollen sollte wir auch über offenere Alternativen nachdenken und wenn nicht vorhanden entwickeln. Wir brauchen nicht die gleichen schlechten Lösungen, wie andere, sondern neue zeitgemäße Lösungen und Wege. Und nur damit es die Presse einfacher hat über uns zu berichten brauchen wir uns auch nicht anzupassen.
– Einmal aufgebaute Strukturen lassen sich nur sehr schwer wieder entfernen. Selbst eine noch so gute Satzung wird mit der Zeit an die „Bedürfnisse“ des Vorstandes angepasst. Das ist natürlich ein schleichender Prozess, deshalb wehret den Anfängen.
– Die Geschichte lehrt uns, einmal angehäufte Macht wird nur überaus Widerwillig wieder abgegeben. Häufig wird die Macht für rein persönliche Zwecke missbraucht und seien sie noch so klein. Die menschliche Natur lässt sich nur schwer einschränken und nicht unterbinden. In evolutionärer Hinsicht sind Menschen immer noch in ursprünglichen Mustern gefangen. Wie jenem von Rudel und Anführer, deshalb gibt es auch häufig den Wunsch nach jemanden der Chef macht oder selber Chef zu machen. Viele streben deswegen nach oben, was sich in Pöstchen, Macht- und Pressegeilheit äußern kann. Und jene Oben verteidigen ihre Position mit allen Mitteln. Nur die wenigsten überwinden die Barriere dieser Instinkte.
– Das Missbrauchsrisiko ist hoch. Das Risiko ließe sich, wenn überhaupt, nur mit einer sehr umfangreichen Satzung/GO verhindern. Das wäre zum Beispiel mehr als formale Hürden für den Vorstand. Etwas, dass den Missbrauch als Sprungbrett für andere Pöstchen verhindert, eine Entlassung mit sehr niedrigen Hürden (z.B. 1/3 Minderheit oder wie bei Sauerland 25 %) um Amtsmissbrauch zu verhindern und viele weitere Maßnahmen.
– Der KOV bindest personelle Ressourcen und jemand aus dem KOV müsste bei allen Veranstaltungen dabei sein (Stammtische, LPT, KMV, usw.) Dadurch steht natürlich weniger Zeit für die kommunale Arbeit zur Verfügung. Zudem haftet der Schatzmeister für finanzielle Fehler, ob sich unter den Umständen jemand für den Posten finden wird?
– Höhere Kosten für die Partei durch den notwendigen Wirtschaftsprüfer (lauf Alexander auf der letzten KMV)
– Mir fällt zudem niemand ein den ich wählen würde.

Mir fallen jedenfalls keine weiteren Pro Argumente ein dafür um so mehr Kontra.
Jeder Duisburger sollte darüber nachdenken, ob eine Kreisverbandgründung unter eine 2/3 Mehrheit sinnvoll ist. Die Gefahr besteht bei einer knappen Mehrheit, dass u.U. einige den Düsseldorfer Weg des Parteiaustritts wählen oder zu Passivpiraten werden.
Mir fallen jedenfalls keine unwiderlegbaren Argumente ein, warum wir den gleichen Fehler, wie die anderen Parteien wiederholen sollen. Ich lasse mich aber natürlich mit sachlicher Argumentation gerne vom Gegenteil überzeugen.

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3 Antworten zu Kreisverband und Ortsverband

  1. Tenrix schreibt:

    Ich mach sofort mit bei PIRATonymous ;-)

  2. genoland schreibt:

    neu-piraten braucht das land !
    befremdliche diskussionen bei den piraten: “alt-piraten” gegen “neu-piraten”
    wie steht es nun um “transparenz” und “basisdemokratie” bei den piraten ?
    http://genoland.wordpress.com/2012/07/13/neu-piraten-braucht-das-land/

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