#Duisburg: Polizei offenbart Kenntnislücken – #Duisport #Logport #SchwarzbuchRad

Letztens schrieb ich der Polizei, weil ein LKW mir rücksichtslos die Vorfahrt nahm. Die Antwort der Polizei offenbarte erhebliche Kenntnislücken.


Die LKW Verkehre in Duisburg sind tatsächlich bedenklich, geschuldet ist das zu einem nicht geringen Teil der Baustellensituation in Duisburg, wodurch LKW oft auf dafür nicht vorgesehenen Strecken unterwegs sind und ja, es kommt leider auch zu Situationen, wie Sie sie erlebt haben, bei denen rechtsabbiegende LKW geradeausfahrende Radfahrer nicht beachten / bemerken.
Dieses Gefahrenpotential ist bei der Stadt und erst recht auch bei uns als Polizei bekannt und wird ständig bearbeitet.
Zum Glück, oder durch entsprechende Umsicht und Fahrweise ist es in Ihrem Fall nicht zu einem Unfall gekommen.

Erst gestern war ich zu einem Termin eingeladen mit Mitarbeitern der Stadt Duisburg, dem Vertreter des ADFC
und auch einem Kollegen von der Verkehrsunfallprävention der Polizei.
Es ging um den Unfall am Oberbürgermeister Karl-Lehr-Brückenzug, bei dem ein rechtsabbiegender LKW eine geradeausfahrende Radfahrerin schwer verletzt hat.
Vielleicht haben Sie davon gehört oder gelesen.
Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, durch das die Radfahrer dort früher bemerkt und beachtet werden. Hoffentlich gelingt uns das dort mit den vereinbarten Maßnahmen.
Begleitet werden diese Maßnahmen durch die Mitarbeiter der Verkehrsunfallprävention, sie haben Kontakt mit dem Hafen Duisburg und damit Zugang zu den dort ansässigen Firmen und
sensibilisieren auf diesem Weg die LKW Fahrer.

Jetzt wieder zu Ihrer Situation.
Die Kreuzung Neue Krefelder Str. / Schwarzenbergerstr. ist als „Problemkreuzung“ in dieser Art bisher nicht in Erscheinung getreten.
In den letzten drei Jahren gab es dort zwei Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern.
Beide Male hat ein rechtsabbiegender PKW Fahrer einen geradeausfahrenden Radfahrer nicht beachtet und dabei leicht verletzt.
Insgesamt ist diese Kreuzung unfalltypisch eher unauffällig und deutlich unterdurchschnittlich vertreten.

Zu Ihren Fragen hinsichtlich Kontrollen durch die Polizei.
Technisch ist die Geschwindigkeit beim Abbiegen im Kurvenberiech nicht zu überwachen. Gerade beim Abbiegen von LKW wird diese jedoch oft überschätzt.
Fahrphysikalisch sind hohe Kurvengeschwindigkeiten für LKW kaum zu realisieren. Ursächlich für Verkehrsunfälle und „beinahe Unfälle“ sind regelmäßig
individuelle Fehler der Fahrer in Verbindung mit den Wahrnehmungsmöglichkeiten von Radfahren aus dem Führerhaus eines LKW.
Dazu bietet unsere Verkehrsunfallprävention zur Zeit ein Programm an, bei dem Radfahrern durch so genannte VR Brillen demonstriert wird, was ein LKW Fahrer ohne technische Assistenten
aus seiner Position heraus tatsächlich sieht.

Seitenabstand von Fahrzeugen zu Radfahrern
Leider ist auch das technisch nicht zu überwachen.
Erforderliche, genaue Vorwürfe lasen sich bei einem eventuellen Verstoß kaum machen, da im Fahrvorgang Seitenabstände nicht gemessen werden können.

Da konnte ich gar nicht anders, als mal die Fakten näher zu bringen:


In Rheinhausen sind keine Baustellen, welche den LKW-Verkehr derartig beeinträchtigen. Die von mir beschriebene Stelle ist der Weg, den LKW regelmäßig benutzen, um die Photofalle (Friedrich-Ebert-Straße) zu umfahren. Entweder Richtung A40 oder über die Brücke der Solidarität und von dort kommend. Zum Teil ist dies auch den Parksituation in Logport I geschuldet. Die Situation ist also ein Dauerzustand.

Ja ich habe den Unfall mitbekommen. Allerdings ist erkennbar, dass keine vernünftige Verkehrsunfallprävention stattfindet. Denn würde man die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsschutzes auf den Straßenverkehr anwenden, wäre die logische Lösung, dass LKW aus möglichst vielen Bereichen herausgehalten werden und wo das nicht möglich ist müssen die entsprechend technisch aus gerüstet sein.

Firmen und LKW-Fahrende zu sensibilisieren ist zwar nett, allerdings bringen nur Sanktionen etwas und ein entsprechender Kontrolldruck. Es gibt hierzu psychologische Studien.

Erstens steht an der Kreuzung ein Geisterfahrrad, welches auf einen Unfallschwerpunkt hinweist. Zweitens war mein Beinaheunfall sicherlich kein Einzelfall. Normalerweise kommen auf 99 Beinaheunfälle 1 richtiger, weshalb man im Arbeitsschutz bereits bevor es Tote und Verletzte gibt, Maßnahmen ergreift. Verwunderlich, dass die Polizei lieber erst nachher handeln will. Zumal man das gesamte Stadtgebiet betrachten muss und nicht nur einzelne Stellen, wo mal etwas passiert ist. Die Gefährdung durch LKW ist offensichtlich. Nicht angemessen zu handeln, weil bisher nichts passiert ist, ist in meinen Augen grob fahrlässig.

Nachweislich unwahr ist die Behauptung, dass man die Geschwindigkeit von abbiegenden LKW technisch nicht überwachen könne. Dies ist natürlich problemlos möglich. Man braucht lediglich eine geeichte Kamera, welche die Zeit genau erfasst und dann eine vermessene Kurve, sodass die Entfernungen ausgewertet werden können. Der Rest ist eine simple Formel Geschwindigkeit = Strecke / Zeit. Ich kann durchaus 10 km/h von 30 km/h oder 50 km/h unterscheiden. Weiterhin kann die Geschwindigkeit auch dem Fahrtenschreiber entnommen werden, wenn der Zeitpunkt bekannt ist.

Das Ziel von Prävention ist Unfälle zu verhindern, personenbezogene Maßnahmen und Belehrungen sind nachrangig zu technischen Maßnahmen oder der Verhinderung von Gefährdungssituationen durch Fahrverbote. Wenn LKW-Fahrende nicht genug sehen, dürfen sie nicht fahren, ganz simpel. Oder die Straßenführung muss so geändert werden, dass Radfahrende nicht übersehen werden können.

Ebenfalls unwahr ist, dass der Seitenabstand nicht zu überwachen wäre. Es gibt hier sowohl der Projekt OpenBikeSensor, wie auch Dashbike. Letzteres Projekt steht kurz vor der Markteinführung. Dieses werde ich nutzen, sobald verfügbar. Weiterhin lässt sich eine Unterschreitung des Seitenabstands bei schmalen Straßen auch ohne Messung erfassen, da an diesen Stellen eine legale Überholung nicht möglich ist. Die Polizei Köln macht dies bereits, also ist es auch möglich. Andere Städte haben eine Fahrradstaffel, die bereits Abstandsvergehen ahnden. Weiterhin hätte man Punkte, die nicht messbar sind, sicherlich nicht in die StVO aufgenommen.

Ehrlich gesagt bin ich über die fehlenden Kenntnisse ziemlich entsetzt.

Ist es nur mein Eindruck, dass die Polizei sich mehr mit Entschuldigung von Fehlverhalten und viel zu wenig mit echter Prävention beschäftigt. Die Antwort, erinnert mich stark an die Ausreden, die man von der SPD-Kommunalregierung zu hören bekommt.

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