Zehn Wahrheiten über die beantragte Kapazitätserweiterung des Düsseldorfer Flughafens

Diese sehr schöne Aufstellung, wollte ich nicht vorenthalten:

von Karsten Frese
1. *Der Antrag auf Kapazitätserweiterung stößt auf heftigen Widerstand in der Region.*
Über 40 000 Menschen haben fristgerecht Einwände gegen die Erweiterung des Düsseldorfer Flughafens eingereicht. Das ist die bisher mit Abstand höchste Zahl an Einwendungen in einem Planfeststellungsverfahren in NRW. Zudem haben sich beinahe alle umliegenden Städte und Gemeinden u.a. in einem gemeinsamen Hilferuf an Frau Kraft gegen die beantragte Erweiterung ausgesprochen.

2. *Die Belastung der Anwohner ist am Düsseldorfer Flughafen schon jetzt höher als an allen anderen deutschen Flughäfen.*
Tatsächlich ist die vom Düsseldorfer Flughafen regelmäßig um den Flughafen gemessene maximale Lärmbelastung größer als etwa in Frankfurt. Die Ultrafeinstaubbelastung in Wohngebieten um den Düsseldorfer Flughafen ist größer als direkt an viel befahrenen Autobahnen in NRW.

3. *Die gesundheitlichen Folgen von Fluglärm sowohl nachts als auch tagsüber sind gegenüber anderen Lärmarten besonders gravierend.*
Bei gleichem Dauerschallpegel ist Fluglärm gesundheitlich riskanter als anderer Verkehrslärm. Neuere medizinische Studien haben bestätigt, dass Fluglärm u.a. Entwicklungsstörungen bei Kindern, Krebs, Herzleiden, Depressionen hervorruft.
Die Gesundheitskosten durch Fluglärm allein in Deutschland liegen im Milliardenbereich. Aufgrund der dichtbesiedelten Einflugschneise ist der Anteil des Düsseldorfer Flughafens deutlich höher als das relative Fluggastaufkommen.

4. *Fluglärm und Schadstoffe am Düsseldorfer Flughafen werden nur sporadisch von staatlicher Stelle überprüft.*
Den Fluglärm misst der Flughafen Düsseldorf in der Regel selbst. Die Messergebnisse werden anschließend vom Flughafen/gemittelt und nur verarbeitest weitergegeben. Der Flughafen hat sogar ein Mitspracherecht, wo die Messstationen platziert werden und bestimmt damit indirekt auch über die Grenzen der Lärmschutzzonen. Dadurch wird etwa verschleiert, dass der Fluglärm aus Düsseldorf in den Einflugschneisen mehr als 20 km vom Flughafen entfernt besonders stark zugenommen hat. Erste Ultrafeinstaubmessungen wurden zudem von Bürgerinitiativen und nicht von staatlicher Stelle durchgeführt. Die Verseuchung des Trinkwassers in der Region um den Flughafen mit krebserregendem PFT wurde vom Flughafen und den Behörden selbst lange Zeit verschwiegen.

5. *Die Kapazitätserweiterung wird im Mittel nicht zu weniger Verspätungen führen.*
Von Verspätungen in den späten Abend- und frühen Nachtstunden wären stattdessen noch mehr Maschinen betroffen. Tatsächlich wurde auch die Neufassung der Betriebsgenehmigung in 2005 damit begründet, dass Verspätungen verringert würden. Das Gegenteil ist seit Inkrafttreten der Fall.

6. *Der sogenannte Angerlandvergleich zieht dem Ausbau des Düsseldorfer Flughafens enge Wachstumsgrenzen.*
Diese 1965 geschlossene rechtliche Vereinbarung zwischen Flughafen und umliegenden Städten und Gemeinden wurde 2002 vom Oberlandesgericht in seiner Gültigkeit bestätigt. Neben der Festlegung des Ausweichcharakters der Nordbahn wird darin vom Flughafen der bestmögliche Schutz der Bevölkerung jeweils nach dem Stand der Technik bestmöglich vor Lärm abverlangt. Leider kommt der Flughafen dieser Verpflichtung in letzter Zeit nicht in vollem Umfang nach (schleppende Nachrüstung der A320-Heuler, veraltete Anflugverfahren, eingeplante Verspätungen im Flugplan usw.). Die Anwohner vertrauen darauf, das gesetzliche Vereinbarungen eingehalten werden, durch die beantragte Kapazitätserweiterung würde der Angerlandvergleich jedoch ad absurdum geführt.

7. *Auch andere Faktoren als die Flugkapazität begrenzen das Wachstum des Düsseldorfer Flughafens.*
Der Düsseldorfer Flughafen stürzte auf der Beliebtheitsskala der deutschen Flughäfen ab – schlicht und einfach, weil es dort schon jetzt zu voll ist. Auch die Zubringerautobahnen und Parkhäuser sind jetzt schon überlastet. Mit einer Ausweitung der Kapazität würde der Flughafen zu Spitzenzeiten noch mehr überlastet.

8. *Die Wirtschaftliche Bedeutung des Düsseldorfer Flughafens wird überschätzt.*
So ist der Anteil der Geschäftsflüge ist gering, der Düsseldorfer Flughafen geht auf seiner Internetseite von einem Anteil von unter einem Drittel aus, Tendenz fallend. Das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hat im Rahmen einer Untersuchung von Flughafen- und Nichtflughafenstandorten in ganz Europa im vergangenen Jahr herausgefunden, dass Luftverkehr die Arbeitsmärkte der jeweiligen Regionen nicht positiv beeinflusst. Ob ein Flughafen in unmittelbarer Nähe zu einer wirtschaftlichen Aktivität vorhanden ist oder ob ein Flughafen weiter weg ist, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Düsseldorfer Flughafen selbst ist auch kein Jobmotor mehr, die Zunahme der Beschäftigungszahlen ist lediglich auf die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen zurückzuführen. Dagegen rücken verstärkt die negativen wirtschaftlichen Folgen wie der negative Einfluss von Fluglärm auf Immobilienwerte in den Blickpunkt.

9. *Die Kapazitätserweiterung ist unnötig.*
Die Gesamtzahl der Passagierflüge von und nach NRW ist in den letzten Jahren nicht gestiegen. Der Düsseldorfer Flughafen konnte also nur auf Kosten der anderen Flughäfen in NRW wachsen. Es gibt kein NRW-Luftverkehrskonzept und deshalb haben die kleineren Flughäfen in NRW, deren Einflugschneisen in deutlich dünner besiedeltem Gebiet liegen, das Nachsehen. Während etwa in Dortmund um 22 Uhr Ruhe herrschen muss, dauert der Flugbetrieb in Düsseldorf aufgrund verschiedener Tricksereien wie die Home-Base-Regelung oft bis 23 Uhr und darüber hinaus. Die Düsseldorfer Sonderrolle erscheint fragwürdig, schließlich liegt der Flughafen inmitten der drei internationalen Großflughäfen Frankfurt, Brüssel und Amsterdam und ist laut Bundesverkehrsministerium kein Flughafen von nationaler Bedeutung. Der Flughafen Weeze will gar bei der EU-Kommission Beschwerde gegen die unterschiedliche Behandlung der sechs NRW-Airports im Landesentwicklungsplan einlegen. Die Bevorzugung des Düsseldorfer Flughafens erscheint auch vor dem Hintergrund, dass einige der Flughäfen in NRW mit Steuergeldern subventioniert werden fragwürdig.

10. *Ein Großteil der Gewinne des Düsseldorfer Flughafens kommt nicht der Allgemeinheit zu gute.*
Der Flughafen gehört zur Hälfte der Stadt Düsseldorf und zur andern Hälfte der Firma Airport Partners, die wiederum dem irischen Investor Aer Rianta und dem kanadischen Fond PSP gehört. Naturgemäß zählt für Airport Partners allein die Rendite. Das gilt auch für die kriselnde Air Berlin, den größten Kunden am Düsseldorfer Flughafen. Die ehemals reiche Stadt Düsseldorf nutzt die Gewinne aus dem Flughafen vor allem, um Haushaltslöcher zu stopfen. Aus dem gleichen Grund setzt sich die Stadt Düsseldorf für die Flughafenerweiterung ein, denn es winken mehrere Hundert Millionen beim Verkauf des Flughafengeländes. Doch obwohl die Gewinne auf Kosten der Menschen in der Einflugschneise erwirtschaftet werden, hat der Düsseldorfer Flughafen im laufenden Jahr mit der Millionenabfindung für einen alten und der Einstellung von zwei zusätzlichen Geschäftsführern mehr Geld für seine Chefs als für Lärmschutzmaßnahmen ausgegeben.

Ist schon interessant, wenn man dies alles im Zusammenhang liest.

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