Symbolische Beschneidung bis Volljährigkeit?

Über den medizinischen und generellen Rahmen der Beschneidung hatte ich mich, ja schon hier geäußert. Bisher habe ich auch keine Informationen gelesen, die mich zu einem anderen Schluss kommen lassen. Beschneidung bleibt für mich – wie im Urteil – eine Körperverletzung. Allerdings ist dieses Thema sehr umstritten, weshalb ich trotz meiner Vorbehalte versuche einen noch tieferen Einblick zu bekommen. Nichtsdestotrotz habe ich mich bei dieser Petition gegen eine Beschneidung ausgesprochen.

Ich habe also versucht mich nun auch etwas intensiver mit dem religiösen Hintergrund zu befassen. Das bedeutet an erster Stelle einmal die Tora zu lesen bzw. die betreffenden Stellen zu finden. Ich habe mich also erst einmal in der Wikipedia etwas informiert und den Begriff Brit Mila (Bund der Beschneidung) gefunden. Zudem gibt es eine Zeremonie namens Brit Schalom (Bund des Friedens oder friedliche Verbindung mit Gott), als verletzungslose Zeremonie, welche die Brit Mila ersetzen soll. In den verlinkten Artikeln wird erwähnt, dass die Beschneidung auch in Israel nicht unumstritten ist. Ebenso, wie in den USA. Dem religiösen Hintergrund bin ich dadurch aber nicht nähe gekommen.

In Wikipedia wird Gen 17,10–14 EU zitiert, als Quelle der Beschneidung:

Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] Alle männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.

Auf dieser Seite steht, als betreffender Text folgendes:

Beschnitten werde bei euch jegliches Männliche und das dies zum Bundeszeichen werde zwischen mir und euch

In der Wikipedia habe von einer weiteren Gefahr einer bestimmten Art der Beschneidung gelesen. Bei der Metzitzah B’peh wird mit dem Mund Blut abgesaugt, wodurch eine starke Gefahr der Infektion mit Herpes Simplex besteht.

Im orthodoxen Judentum wird eine zweite symbolische Beschneidung erwähnt (Tippat Dam). Wo ist das Problem die erste Beschneidung durch eine Symbolische zu ersetzen? Aber selbst, wenn dies nicht möglich ist steht nicht wieviel abgeschnitten werden muss. Nach dem Text selber würde auch ein kleines Stückchen ausreichen. Wer im Erwachsenenalter, dann immer noch den Rest loswerden will kann dies dann aus eigenem Willen tun.

Hier sind weitere religiöse Zitate und etwas mehr Hintergrund zu finden, wobei ich nicht weiß wie einseitig die Berichterstattung ist.

Interessant ist eine andere Stelle, des alten Testaments (Dtn 10,16 EU), welches nach meinem Verständnis mit der Tor übereinstimmen müsste.

Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein.

Ich frage mich, ob dieser Teil überlesen wird, in der Tora nicht existiert oder was anderes steht. Für existiert jedenfalls keine religiöse Grundlage mehr, wenn an späterer Stelle etwas aufgehoben wird.

Was den Islam angeht so ist, wenn ich es richtig verstanden habe, die Beschneidung ein Brauch, um Mohammed zu ehren. Das Zeitfenster ist hier deutlich größer.

Mal zu etwas anderem, wo durchaus auch eine religiöse Grundlage existieren könnte. Vor einiger Zeit wurde über eine Urteil (Az: 20 A 1240/11) zur Tätowierung von Tieren berichtet. Einfach zur Verschönerung ist es nicht okay, wie wäre dies aber nun bei einem religiösen Grund? Würde das Urteil genauso ausfallen? Oder wären hier Tiere besser geschützt, als männliche Kleinkinder?

Ich kann es mir nicht verkneifen noch etwas abzuweichen und mir mal ein wenig die Kompetenzen bzw. die Abwesenheit von Fachexpertise anzuschauen. Interessant fand ich hier das Nachgeplapper der SPD:

Das Landgericht hat es versäumt, sich mit der religiösen Bedeutung der Beschneidung hinreichend auseinander zu setzen. Es hat auch nicht berücksichtigt, dass von den circa 30 Prozent weltweit beschnittenen Männern – soweit bekannt – noch nie jemand im Erwachsenenalter gegen die an ihm vorgenommene Beschneidung vorgegangen wäre.

Ist immer schön wenn einem eine solche Vorlage geliefert wird. Denn wie hier erwähnt sind durchaus Männer gegen die Beschneidung juristisch vorgegangen. Entweder war das Dummschwätz oder einfach nur eine extrem schlechte Recherche. Zudem scheinen sich da einigen nicht mit dem religiösen Hintergrund intensiv auseinander gesetzt zu haben.

Aber zurück zu den angeblich nicht vorhandenen Urteilen. Da gab es zum einen Fall, wo es um 4,6 Mio. US-Dollar wegen einer verpfuschten Beschneidung ging. Da gibt es sogar noch einiges mehr, wie in diesem Blog aufgeführt. Soviel zum kleinen Eingriff ohne Nebenwirkung.
In diesem Artikel der Heinrich Heine Universität Düsseldorf wird weiter auf die psychischen Auswirkungen eingegangen.

Wäre also ein Verbot der Beschneidung Diskriminierend? Das Wort Diskriminierung bedeutet soviel, wie Ungleichbehandlung und bei einem Verbot von medizinisch nicht notwendigen Beschneidung würden alle gleich behandelt. Zumal hier eh schon eine Ungleichbehandlung stattfindet. Bei Frauen gibt es ein Verbot, die Gründe dafür kann ich voll und ganz nachvollziehen und hier würde auch niemand religiöse Gründe gelten lassen während bei Männern ein völlig anderer Maßstab angewandt wird. Gerade von Frauen höre ich immer das Argument, dass dies nur ein kleines Stückchen Haut wäre.

Die Piratenpartei in Hessen hat jedenfalls offiziell Stellung bezogen zur Gleichbehandlung und gegen die Beschneidung.

Ich frage mich, warum sich nach alle Beschneidungsbeführworter, um einen Zeichen zu setzen beschneiden lassen. Dann können sie auch eine deutlich fundiertere Entscheidung treffen, ob es wirklich nur eine kleines Schnipp-Schnapp ist. Dabei können sie ja direkt die angemessene Betäubung, welche Kristina Schröder (CDU) vorschlägt ausprobieren.

Wie ich am Donnerstag lesen musste hält der Zentralrat der Juden Berlins Beschneidungsregelung für unzureichend. Und Charlotte Knobloch geht sogar noch weiter und spricht von Zustände, wie sie sie seit 1945 nicht mehr gegeben hätte.
Tja und mir geht die Regelung schon viel zu weit, genauso wie Frau Knobloch mit ihrer Aussage zu weit geht und die Abwägung der Grundrechte mit einer Diktatur gleich setzt.

Trotz aller Befürwortung der Beschneidung durch die Politik sehen anscheinend viele das anders. Der Arzt Sebastian Guevara Kamm hat deswegen Anzeige gegen David Goldberg erstattet, um auf dem Justizweg eine Lösung zu finden.

Für mich bleibt jedenfalls die Frage offen, wo genau steht, wieviel weg muss. Wahrscheinlich kommt dies nur von Menschen.

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2 Antworten zu Symbolische Beschneidung bis Volljährigkeit?

  1. gamundius schreibt:

    Bei diesem Politikum wird wohl vorsätzlich das „juristische“ der Sache nicht erklärt.
    Die (straf-)rechtliche Bewertung erfogt stets nach einem bestimmten Schema. So ist die Tatbestandsbestimmung (obektiver Tatbestand) nur ein Zwischenschritt.
    Beispiel: Wenn mir der Arzt eine Spritze gibt, begeht er Körperverletzung. Aber im nächsten Schritt erfolgt die Prüfung der Rechtfertigung. Weil kein Vorsatz auf Straftat sondern Vorsatz zur Hilfe vorliegt ist der Eingriff gerechtfertigt, es erfolgt keine Strafe.

    Ausnahme: falsches Medikament, falsche Dosierung -> dann fällt Rechtfertigung weg und der Schritt des Opfers zum Schadensersatz wird erleichtert.

  2. Pingback: Dummfug: Religiöser Wahn | ulrics

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