Angebliche Studie zu #Feinstaub aus #Feuerwerk gibt es noch gar nicht – #Silvester #Umwelthilfe

Die Luftverschmutzung durch Feinstaub ist erheblich. Feuerwerk trägt einen Teil dazu bei. Besonders natürlich an Silvester. Vor etwa zwei Wochen behauptete der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), dass diese die Ergebnisse ihrer Feinstaubstudie veröffentlichen würden. Allerdings wurde die Studie weder an diese PM angehängt noch, an anderer Stelle fand ich die. Deshalb fragte ich mal nach.

Inzwischen bekam ich die unten angehängte Antwort. Ich habe meine Mail bewusst provokant formuliert, da dies für gewöhnlich zu einer recht schnellen Antwort führt. Außerdem fand ich vorher noch einen ziemlich heftigen Angriff auf Jürgen Resch. Der weitere Zweifel an dieser „Studie“ weckt. Wie ich bei der Antwort feststellte nicht unberechtigt.

Die angeblichen Ergebnisse einer Studie, entpuppten sich nämlich in der Antwort als Messergebnisse. Man hat Schlussfolgerungen daraus veröffentlicht. In der PM ist weder die Stelle genannt, welche die Untersuchung durchführte noch die Rahmenparameter. Auch wurde weggelassen, was genau das UBA sagte. Man hat also zur Beurteilung wesentliche Informationen weggelassen. Da die Parameter der Messergebnis fehlen, ist es de facto die halbe Wahrheit. Bekanntlich wählt auch die Autoindustrie gerne Parameter die den Verbrauch und die Abgaswerte sehr niedrig erscheinen lassen. Die Realität sieht anders aus. Eine Studie ist eine fertige wissenschaftliche Ausarbeitung.

Und zu sagen, die anderen haben aber auch nicht, ist nicht nur kindisch, sondern ein Ablenkungsmanöver, was mich an trumpsche Methoden erinnert. Die Antwort zeigt für mich als Naturwissenschaftler, dass die VPI anscheinend die öffentliche Meinung manipulieren will. Denn ansonsten hätte man doch wohl Interessierten die Gelegenheit zu geben sich zu informieren.

Zertifikate sagen wenig, wenn man sich nicht tagelang in die Details der Zertifikate vertieft. Und selbst dann heißt es häufig nur, dass eine Stelle theoretisch Qualität liefern könnte, ob dies das dann im Einzelfall auch macht steht auf einem anderen Blatt. Habe schon genug Gutachten und Studien gesehen, die nichts taugten.

Antwort VPI auf meine Mail

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

einen herzlichen Dank für Ihre E-Mail. Wie sowohl der Pressemitteilung als auch einem von uns erstellten Politik-Newsletter zu entnehmen ist, hat es sich der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) zur Aufgabe gemacht, dem mit falschen Werten geführten Diskurs zu den Feinstaub-Emissionen durch Feuerwerk mit erstmals real gemessenen Werten zu begegnen.

Wir sind daher auch verblüfft über die von Ihnen gewählte Wortwahl – wurde der Diskurs doch bislang gerade durch Berechnungen geprägt, die auf Schätzungen, Modellierungen und Hochrechnungen basieren. Diese für angemessen zu halten und zeitgleich Messergebnisse von einem zertifizierten Laboratorium als Halbwahrheiten zu bewerten, können wir nicht nachvollziehen. Verschließt man sich dadurch doch neuen Erkenntnissen, die dazu geeignet sind, einen transparenten und offenen Diskurs über deutlich größere Emittenten führen zu können.

Das beauftragte, akkreditierte Labor hat ein gegenüber der Literatur optimiertes Verfahren entwickelt und darauf aufbauend entsprechende Messungen vorgenommen. Untersucht wurden gängige auf dem deutschen Absatzmarkt befindliche Feuerwerkskörper. Die Ergebnisse sowie der Versuchsaufbau wurden dem Umweltbundesamt (UBA) und weiteren Vertretern anderer Behörden vorgestellt und von diesen als plausibel bewertet. In den Gesprächen mit dem UBA ging es dabei auch um die Ermittlung eines gewichteten Emissionsfaktors auf Basis der erzielten Messwerte, der den Anteilen am tatsächlich verkauften Feuerwerk gerecht wird. Das UBA wird diesen voraussichtlich schon in diesem Jahr selbst für die Feinstaubberechnungen nutzen.

Die Aufbereitung der Studienergebnisse in Form von Rohdaten erfolgt derzeit im Rahmen wissenschaftlicher Abhandlungen, die in Kürze in unterschiedlichen Publikationen erscheinen sollen. Diese wissenschaftlichen Publikationen unterliegen einem Peer-Review-Process, in dem die Ergebnisse entsprechend eines Qualitätsmanagement-Verfahrens nochmalig unabhängig bewertet werden. Entsprechend dieser Sorgfalt nimmt die Veröffentlichung Zeit in Anspruch.

Wir können Ihnen versichern, dass die von uns bereits jetzt kommunizierten Zahlen nicht auf Basis irgendwelcher Behauptungen aufgestellt wurden. Diese in der Vergangenheit vielfach genutzten „Behauptungen“ unterschiedlicher Organisationen sind ursächlich für unser Engagement, erstmalig eine Messung realer Feinstaubwerte durchgeführt zu haben. Wir können uns in diesem Zusammenhang gleichfalls nicht erinnern, dass diese Organisationen transparent klar gemacht hätten, wie die von Ihnen genannten Werte überhaupt zu Stande gekommen sind. Dies liegt mitunter auch daran, dass intern bei diesen Organisationen das Wissen darüber bestand, dass die von ihnen genutzten Zahlen jedwede reale Berechnungsgrundlage vermissen ließen. Falsche Behauptungen gab es somit in der Vergangenheit von anderer Seite, nicht aber von unserer. Feinstaubwerte wurden deutlich höher dargestellt, um aus einem kleinen Emittenten einen vermeintlich großen zu konstruieren und somit ein öffentliches Feindbild aufzubauen. Dieser Deutung möchten wir wissenschaftlich fundiert entgegenwirken.

Feuerwerk ist für viele Menschen weiterhin ein Brauchtum, welches sie beibehalten wollen. Durch unsere Arbeit wollten wir die Grundlage dafür schaffen, dass die Debatte um dieses Brauchtum von politischen Akteuren, der Öffentlichkeit und Experten der Branche auf Basis valider Messergebnisse erfolgen kann und nicht mit am Computer konstruierten Zahlen.

Sie sehen, uns ist – anders als Sie es darstellen – an Transparenz gegenüber der Wissenschaft gelegen. Eine Veröffentlichung der Studienergebnisse erfolgt dann alsbald, wie bereits erwähnt, im Rahmen wissenschaftlicher Fachbeiträge.

Mit freundlichen Grüßen

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4 Antworten zu Angebliche Studie zu #Feinstaub aus #Feuerwerk gibt es noch gar nicht – #Silvester #Umwelthilfe

  1. Ingo Lasmasteken schreibt:

    Moin,
    Da inzwischen das UBA die Werte und Studie akzeptiert, kann man von einer gewissen Validität ausgehen.
    Ich weis nicht wie arrogant man sein kann, um dann immer noch der Meinung zu sein Recht zuhaben. Aber nun gut.
    Viel erfolg mit ihrer Art noch.

    Hochachtungsvoll
    Ingo lasmasteken

    • ulrics schreibt:

      Was hat das mit Arroganz zu tun, Halbwahrheiten kritisch zu hinterfragen?

      Was genau zu welchem Teil das UBA gesagt hat, steht nirgendwo, so detailliert, dass man daraus Rückschlüsse auf irgendetwas ziehen könnte. Eine Studie konnte das UBA gar nicht „akzeptieren“, da diese noch nicht fertigstellt ist. Soweit ich das verstanden habe geht es um das Messverfahren, wobei selbst das nicht sicher ist. Behörden sind in Stellungnahmen eher vorsichtig. Aber wie gesagt, bei so einer schwammigen Formulierung, wie in den PM’s ist das ziemlich verdächtig.

      Wissenschaftlich gesehen ist das keine solide Arbeit, wesentliche Fakten wegzulassen und genau so etwas hinterfrage ich halt.

  2. Rikken schreibt:

    Wenn das UBA so blöde wäre, eine solche „Scheinstudie“ anzuerkennen und auf Europaebene einzubringen, würde das aber die bisherige Angabe von 4.200t stark in Frage stellen!!!

    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/feuerwerker-unter-beschuss-1.4971756

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