#Feinstaub: Kreidestaub im Klassenzimmer – #Arbeitsschutz

Zumindest früher gab es Kreide in jedem Klassenraum und auch an Hochschulen. Teilweise wurde nass gewischt, mitunter aber auch trocken. Bereits seit einiger Zeit versuche ich hier Informationen zu bekommen, wie der Gesundheitsschutz für Lehrende und Beschulte sichergestellt wird, wurde bisher allerdings nicht fündig.

Vom Ministerium für Schule und Bildung NRW kam nur, dass man dies quasi den Schulen überlassen würde, womit man die Schulleitenden alleine lässt. Auch verwies man auf die Kommunen, was genauso wenig hilfreich ist. Zum Gesundheitsschutz wäre hier zentrale Vorgaben oder zumindest Hilfestellung für die gesetzlich verbindlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung. Das Schreiben ist in den wesentlichen Auszügen unten angehängt.

Ein wenig Informationen bekam ich vor kurzem auf Umwegen.


Zum Thema „Gefährdung durch Kreidestaub“ sind uns keine Untersuchungen bekannt. In dem anhängenden „Leitfaden für die Innenraumlufthygiene in Schulgebäuden“ des Umweltbundesamtes finden Sie Aussagen zum Thema Feinstaub (in Abgrenzung zu Kreidestaub) und Informationen zu Anforderungen an die Reinigung von Schulen. Kreidestaub wird dort allerdings explizit nicht genannt.

Verantwortlich für die Sicherheit und Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie des nicht pädagogischen Personals einer Schule sind zum einen der Schulsachkostenträger, zum anderen der Schulhoheitsträger, der diese Aufgabe i.d.R. über die Schulvorschriften der Länder auf die Schulleiterin bzw. den Schulleiter delegiert hat. Dabei ist der Sachkostenträger für die sichere Gestaltung und Unterhaltung der Schulgebäude, der schulischen Freiflächen, der Einrichtungen sowie der Lehr- und Lernmittel (äußerer Schulbereich) verantwortlich. Die Schulleitung ist als Vertretung des Schul- bzw. Kultusministeriums vor Ort verantwortlich für den so genannten inneren Schulbereich. Sie sorgt für die Umsetzung der Schulvorschriften und curricularen Vorgaben, also Inhalte, Methoden und Organisation des Unterrichts und der außerschulischen Veranstaltungen, sowie für die Organisation des Schulalltags.

Den rechtlichen Rahmen für die Aufgaben und Verpflichtungen der Schulleiterinnen und Schulleiter sowie der Schulsachkostenträger im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung bilden die Schulgesetze und nachgeordneten Schulvorschriften der Länder, das staatliche Arbeitsschutzrecht (insbesondere das Arbeitsschutzgesetz), die Vorschriften der Unfallversicherungsträger sowie weitere Regelungen, die den Stand der Technik widerspiegeln (z.B. DIN-Vorschriften).

In öffentlichen Schulen sind die Beschäftigten, d.h. die Lehrkräfte und sonstiges Schulpersonal, in der Regel Landesbedienstete, also Bedienstete des Schulhoheitsträgers. Bei Schulen in freier Trägerschaft handelt es sich um Bedienstete des Schulsachkostenträgers.

Die Verantwortlichkeiten sind zwar etwas klarer, aber eine konkrete Regelung noch lange nicht. Da allerdings die Technischen Regeln Gefahrstoffe (TRGS) auch für Schulen gelten, gelten hier auch die allgemein Vorgaben für Staub. Dabei wir unterschieden zwischen einatembaren Staub (E-Staub) und aveolengängigen Staub (A-Staub). Der Staub dringt deutlich tiefer ein. Für beide Stäube gibt es einzuhaltende allgemeine Grenzwerte, die für besonders gefährliche Stäube noch einmal abgesenkt werden. Da Kreide nicht dazu zählt gelten die allgemeinen Grenzwerte.

Da beim trockenen Wischen der Tafel Staub entsteht und nasswischen durchaus möglich ist, dürfte auch in Anbetracht der Nummer 2.3 der ArbStättV Anhang I das trockene Wischen der Tafel verboten sein. Wie sieht dies allerdings bei der Stauberzeugung beim Schreiben mit Kreide aus? Angeblich soll es staubarme weniger gefährliche Kreide geben. Da allerdings keine Messungen in Klassenräumen durchgeführt wurden, scheinen die Schulen nicht ihren Verpflichtungen aus dem Arbeitsschutz nachzukommen.

Auszug Schreiben Ministerium für Schule und Bildung NRW:

das Ministerium für Schule und Bildung erlässt selbst keine arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben in Bezug auf mögliche Kreidestaubexpositionen.

Nach hiesiger Kenntnis besteht Schulkreide im Wesentlichen aus Gips (Calciumsulfat), welches insgesamt ein gesundheitlich unbedenkliches Material ist. In welchen Quantitäten es zu einem Einatmen von Kreidestäuben kommt, ist im Ministerium nicht bekannt. Studien hierzu hat es meines Wissens (bislang) nicht gegeben.

Irgendwann beiläufig ist mir bekannt geworden, dass Kreidehersteller offenbar im Laufe der Jahre dazu übergegangen sind, eine weitgehend staubfreie Kreide herzustellen. Nähere Informationen liegen mir allerdings nicht vor. Dieses ist auch darin begründet, dass für die sächliche Ausstattung von Schulen (hierzu gehört damit auch die Beschaffung von Kreide) die kommunalen oder privaten Schulträger zuständig sind. Aus diesem Grund kann ich Ihnen auch nicht sagen, in welchem Umfang an Schulen Kreidetafeln durch digitale Medienvermittler (z.B. Whiteboards) ersetzt worden sind.

Das Ministerium scheint den Verpflichtungen als oberste Dienststelle der Bildungssektor in NRW nicht nachzukommen. In meinen Augen besteht hier eine mögliche Gefährdung für Beschäftigte und Beschulte.

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