#Duisburg: Meine Teilnahme an der Befragung

Derzeit läuft eine Bevölkerungsbefragung bei der 25 000 aus Duisburg befragt werden. Abgewickelt wird die IT über die Stadtwerke. Angeblich soll die Befragung Anonym sein, allerdings würde ich aufgrund der Fragen höchstens von Pseudoanonym ausgehen.

Die Zugangsdaten sind eine einfache Ziffernfolge, sodass auch eine Fremdbeeinflussung möglich wäre. Sonderlich sicher gegen auswärtige Beeinflussung erscheint mir das nicht.

Eine Enthaltung bei einzelnen Fragen war überwiegend nicht möglich. Was bei einer Befragung zu bemängeln, da man durchaus zu einzelnen Punkte keine Meinung haben kann, sich nicht äußern möchte oder keine der möglichen Antworten zutrifft. Eine Befragung, bei der man zur Antwort gezwungen wird ist nicht sonderlich aussagekräftig. Weil man dann teilweise unzutreffende Antworten ankreuzen wird.

Bei den Fragen werde ich exemplarisch einige herausgreifen.

Bei der Frage sind die Antwortoptionen nicht aussagekräftig:
„Zunächst einmal ganz allgemein: Leben Sie gern hier in Duisburg oder würden Sie lieber woanders wohnen?
– Ich lebe gerne hier
– Ich würde lieber woanders wohnen“
Die wirkliche Situation wird gar nicht wiedergegeben.

Einige Fragen sind auch irgendwie sehr nichtssagend. Andere decken dagegen nur Teilaspekte ab oder fassen Sachen zusammen.

„Wie zufrieden oder unzufrieden sind Sie mit den einzelnen Lebensbedingungen in der Stadt Duisburg?
– Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten
– Ausbildungsplätze / Lehrstellen
– Öffentliche Verkehrsmittel
– Radwegenetz
– Ärztliche Versorgung und Krankenhäuser
– Park- und Grünanlagen
– Theater, Oper, klassische Kultur
– Schwimmbäder und Sportanlagen
– Sauberkeit der Luft
– Gute / preiswerte Wohnungen
– Gastronomisches Angebot / Restaurants
– Kindergärten / Kindertagesstättenteils
– Angebote der Stadtbibliothek
– Volkshochschule
– Nahversorgung (vor allem Lebensmittel)
– Freizeitangebote und Naherholung (Zoo, Landschaftspark Nord, 6-Seen-Platte o.ä.)
– Film-, Musikveranstaltungen, kulturelle Einrichtungen
– Allgemeinbildende Schulen und Berufsschulen
– Einkaufsmöglichkeiten (außer Lebensmittel; bspw. Innenstadt)
– Alternative Kulturangebote (Szenelokale etc.)“

Bei einigen der Fragen könnte ich nichts passendes Antworten. Was weiß ich denn wie gut die Ausbildungsplätze derzeit in Duisburg sind. Ich könnte da höchstens den Stand für über 30 Jahren bewerten. Auch Schulen und Kindergärten betreffen mich nicht. Man kann hier allerdings nicht angeben, dass einen die Fragen nicht betreffen.

Zumindest wird nach öffentlichen Verkehrsmitteln und Radwegenetz gefragt.

Die gleichen Fragen, werden für den Stadtteil wiederholt, allerdings ohne vorher darauf hinzuweisen. Denn vielleicht wäre die Bewertung dann anders. Beim Zurückgehen werden die vorherigen Eingaben gelöscht, was schlechte Programmierung zeigt und sicherlich dazu führt, dass einige von der weiteren Teilnahme absehen.

„Was sind Ihrer Meinung nach zur Zeit die 5 größten Probleme in Duisburg?
Bitte wählen Sie maximal 5 Antworten aus.
– Lärmbelästigung
– Arbeitslosigkeit
– Kriminalität / Unsicherheit
– Armut
– Zuwanderung
– Luftverschmutzung
– Ausländerfeindlichkeit
– Zu viele Baustellen
– Schlechter öffentlicher Nahverkehr
– Hohe Mietkosten
– Mangelhafte Sauberkeit von Straßen und Grünanlagen
– Obdachlosigkeit
– Zu wenig Kindertageseinrichtungen
– Zu viel Straßenverkehr (inkl. ruhender/parkender Verkehr)
– Zu wenig Grün- und Parkanlagen
– Mangelndes Angebot an Jugendeinrichtungen
– Zu wenig Treffpunkte für Ältere
– Zu viel Leerstand (Wohngebäude)
– Zu viel gewerblicher Leerstand (Büros, Ladenflächen)
– Schäden im Straßenraum (Schlaglöcher u.a.)
– Zu wenig Senioreneinrichtungen
– Mangelndes gastronomisches Angebot: Gastronomische Highlights
– Unsicherheit auf der Straße oder öffentlichen Plätzen
– Unsicherheit an Haltestellen oder Bahnhöfen
– Unsicherheit innerhalb der Bahn oder in einem Bus
– Mangelhaftes Wohnungsangebot
– Zu wenig wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten
– Mangelndes Angebot an Ausbildungsplätzen“

Man hat hier schon den Eindruck, dass dies stark von einer politischen Vorauswahl geprägt ist. Und die Anzahl der Auswahlmöglichkeiten erschlägt einen. Dazu kommt noch, dass die Reihenfolge die Auswahl beeinflusst. Und so Punkte wie Unsicherheit sind bekanntlich sehr emotionale Themen.

Die Fragen zur wirtschaftlichen Lage finde ich an der Stelle sehr seltsam, da die gefühlte Wirtschaft einen gewissen Einfluss auf das reale Ausgabeverhalten hat.

Zumindest wird auch zur Nachhaltigen Entwicklung gefragt, wobei man hier vermutlich eher eine Ausrede sucht um weniger zu tun und auf ein schlechtes Ergebnis hofft. Dies würde ich jedenfalls bei der Politik schon SPD und CDU vermuten.

Wobei nachhaltige Entwicklung für die Stadt/Politik nur diese Themen zu umfassen scheint:
„Welche der folgenden nachhaltigen Verhaltensweisen praktizieren Sie regelmäßig?
– Mülltrennung, Plastikvermeidung
– Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad, Carsharing
– Kauf regionaler oder fair gehandelter Produkte
– Energiesparen (Strom, Heizung, Warmwasser)
– Weniger Konsum / bewusster Konsum
– Engagement für Menschenrechte, Gleichstellung, Vielfalt“

So richtig umfassend sind die Punkte nicht.

Auch nach dem Wohnort wird gefragt, wobei hier erstmals der Punkt:
„Ich weiß es nicht“
auftaucht.

Auch wird gefragt: „Sind Sie in Duisburg geboren?“
Etwas später wird dann gefragt, ob man in Deutschland geboren wäre. Warum dies nicht zusammen gefragt wird und die Frage nicht einfach ausgeblendet wird, wenn man ankreuzt, dass man in Duisburg geboren ist, erschließt sich mir nicht.

Angeblich soll die Befragung ja anonym sein, aber durch die vielen personenbezogenen Frage, kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit genau ermitteln, wer sich hinter den Antworten verbirgt, wenn diese korrekt ausgefüllt werden. Wenn 25 000 Personen aus Duisburg ausgewählt wurden, kennt man die Daten von diesen Problemen. Wenn dann noch Wohnsituation, Wohnort, Einkommen, Schulabschluss und Geburtsjahr bekannt sind, hat man eigentlich ausreichend Informationen um genau festzustellen, wer sich hinter den Angaben verbirgt.

Verwunderlich finde ich die Frage:
„Welche Partei haben Sie bei der letzten Kommunalwahl (September 2025) für den Rat der Stadt gewählt?“
Denn die Frage ist zu unspezifisch, da mehrere Wahlen gleichzeitig stattfanden. Kann ja durchaus sein, dass OB, Ratswahl und Bezirkswahl bei unterschiedlichen Parteien landeten.

Und dann will man von der Bevölkerung wohl die Erlaubnis für eine Streichorgie:
„Die Stadt kann sich – genau wie ein Privathaushalt – nicht alles gleichzeitig leisten. Wie sollte sich die Stadt Duisburg Ihrer Meinung nach bei den folgenden Aufgaben verhalten – Geld einsparen, die Ausgaben unverändert lassen oder mehr Geld ausgeben?
– Integration/Sprachförderung von Zugewanderten
– Energiewende und Klimaschutz
– Spielmöglichkeiten für Kinder / Spielplätze
– Krankenhäuser
– Videoüberwachung auf Straßen und Plätzen
– Ausbau des Straßennetzes (Straßenneubau)
– Bekämpfung der Jugendkriminalität
– Ambulante Pflege- und Sozialdienste
– Schwimmbäder
– Förderung des Ehrenamts
– Treffpunkte / Beratungsstellen für Ältere
– Schutz vor Kriminalität / öffentliche Sicherheit
– Kulturelle Einrichtungen / Veranstaltungen
– Drogenbekämpfung
– Mehr Grün in der Stadt (z.B. Hof-, Dach-. Fassadenbegrünung; Bäume am Straßenrand)
– Wirtschaftsförderung
– Altengerechtes Wohnen
– Öffentliche Verkehrsmittel
– Zustand der Straßen (Straßenunterhaltung)
– Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten
– Kindergärten und Kindertageseinrichtungen
– Sportanlagen
– Alten- und Pflegeheime
– Sauberkeit der Stadt
– Wohnungsbau
– Allgemeinbildende Schulen und Berufsschulen
– Erhalt denkmalgeschützter und stadtbildprägender Gebäude
– Ausbau des Fahrradwegenetzes
– Generationenübergreifendes Wohnen
– Stadtbibliothek
– Ausbau der Parkmöglichkeiten
– Parks und Grünanlagen
– Barrierefreie Wege / Zugänge für Rollstuhlfahrende
– Verbesserung der Luftqualität“

Wobei einige Punkte gar nicht in die Aufgaben der Stadt Duisburg fallen, wie etwa ambulante Altenpflege und andere Punkte nicht optional für die Stadt sind, wie etwa Barrierefreie Wege. Das man Parken natürlich dabei hat ist klar, bei SPD und Falschparkpartei CDU. Andere Punkte fehlen gänzlich, wie etwa das Thema Opernehe. Bei den Antworten kann auch nicht differenziert werden, wie stark gespart werden soll. Und die Option keine Ausgaben gab es auch nicht.

Insgesamt erinnert die Befragung an die vielen anderen Dinge, welche man von der Stadt so erwarten kann. Wie eine seriöse Befragung wirkt das nicht. Eher wie etwas, was sich die Verwaltung selbst ausgedacht hat. Wobei eine klare politische Handschrift dabei zu erkennen ist durch die Auswahl von bestimmten Fragen und Themen. Die Ergebnisse werden entsprechend sein. Die wirkliche Stimmung wird man so allerdings nicht erfassen.

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